Eine Tierarztpraxis in der U-Bahnstation

Tierärztin Maja Firle untersucht die Hündin Inka.

Die beigefarbene Hündin blickt ängstlich an der Tierärztin empor und versucht, ihren Po wegzudrehen - doch vergebens. Maja Firlé misst mit ihrem Fieberthermometer die Temperatur: 40 Grad.

"Zu viel", meint die Ärztin. Der Hund bekommt ein Medikament, die Halterin soll ihn aber noch einmal in die Praxis bringen. Denn Maja Firlé hat das Tier eben nicht in ihrer Arztpraxis untersucht, sondern in einer U-Bahnstation in Frankfurt am Main in Hessen. Sie hat dort einen Klapptisch und zwei Koffer mit Medikamenten, Entwurmungsmitteln und Impfdosen.

Jeden ersten Samstag im Monat behandelt die 42-Jährige in der U- Bahnstation Hunde von Leuten, die nicht viel Geld haben - wie Obdachlose und arme Rentner. "Die Tiere können nichts dafür, dass sich ihre Halter keinen Arztbesuch leisten können", sagt Maja Firlé. "Trotzdem haben sie das Recht auf Hilfe." Die Kosten für Medikamente, Impfungen und Operationen übernimmt ein Verein für Tiernothilfe.

Der Boden erzittert durch die U-Bahnen, die ein- und ausfahren. Doch die Ärztin widmet sich den nächsten Patienten: Der braungefleckte Mischling einer jungen Frau muss geimpft werden. Und der Schäferhund bekommt ein Medikament gegen Durchfall.

Eine weitere Patientin ist ein zotteliges weißes Hündchen. Inka ist sechs Jahre alt, kaum größer als eine Katze und lebt bei Rentnerin Erika Badam. "Inka ist mein Ein und Alles", erzählt sie. Nun ist Inka krank. Die Augen tränen. Die Tierärztin untersucht den Hund und lächelt: "Inka braucht lediglich Augentropfen."

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