Wie eine Lehrerin das Unglück in Tschernobyl erlebte

Halina Kalashnikawa berichtete Schülern in Münster von ihren Erfahrungen.

Über Atomkraftwerke wird viel gestritten. Man kann dort eine Menge Strom herstellen ohne Abgase zu erzeugen. Doch wenn ein Unfall passiert, kann auch gefährliche radioaktive Strahlung entweichen.

Halina Kalashnikawa hat das schon selbst erlebt - auch wenn solche Unfälle sehr selten sind.

Atomkraftwerke sind gut für die Menschen, hat Halina Kalashnikawa immer gedacht. Sie stellen Strom her und Strom macht das Leben einfacher. "Wir können damit zum Beispiel elektrisches Licht erzeugen", sagt sie. Doch dann passierte ein schreckliches Unglück. Und sie musste erleben, dass Atomkraft auch viel Kummer bringen kann.

Halina Kalashnikawa lebt in Weißrussland. Das Land liegt in Osteuropa. Früher wohnte Halina in einer kleinen Stadt in der Nähe des Atomkraftwerks Tschernobyl im Nachbarland Ukraine. Das ist schon lange her. Doch die Zeit wird Halina nie vergessen.

Es ist der 26. April im Jahr 1986 - ein schöner Frühlingstag. Halina Kalashnikawa sonnt sich in ihrem Garten. Im Haus klingelt das Telefon. Sie geht hinein und nimmt den Hörer ab. Eine andere Frau ist dran. Sie erzählt, dass es in der letzten Nacht im Kraftwerk gebrannt hat. Halina wohnt nur 40 Kilometer davon entfernt. Doch sie macht sich keine Sorgen. Sie hat gehört, wie sicher und fortschrittlich die Atomkraftwerke sein sollen.

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Was passierte in Tschernobyl?

Halina ist damals 26 Jahre alt und arbeitet als Lehrerin an einer Schule. Dort gibt sie Sprachunterricht. Die ersten Tage nach dem Brand sind wie immer, nichts ist verdächtig. Die Kinder kommen zur Schule. Halina steht vor der Klasse und hält ihre Stunden. Die Nachrichten berichten über das Unglück. Alles sei unter Kontrolle, heißt es im Radio.

In Wahrheit ist etwas sehr Schlimmes passiert. Im Atomkraftwerk gab es eine Explosion. Gefährliche Stoffe entweichen unaufhaltsam in die Umwelt. Sie verseuchen den Boden, die Luft und das Essen. Sie machen Menschen schwach und krank - manchmal erst viele Jahre später. Halina spürt ein Kratzen im Hals. Sie denkt sich nichts weiter dabei.

Inzwischen weiß sie es besser: "Das kam von der Strahlung." Sie meint radioaktive Strahlung. Wegen des kaputten Atomkraftwerks haben Menschen rund um Tschernobyl zu viel davon abbekommen.

Halina hatte offenbar Glück. Jedenfalls lässt sie sich auch 25 Jahre später keine Krankheiten anmerken. Sie lächelt viel. Heute ist sie 51 Jahre alt und arbeitet als stellvertretende Direktorin an einer Schule in Minsk.

Minsk ist die Hauptstadt von Weißrussland. Dort wohnt Halina jetzt. Weit weg von dem Unglücksort. Sechs Jahre nach der Katastrophe ist sie dorthin gezogen, wegen ihrer neugeborenen Tochter. Halina wollte, dass sie in einer gesunden Umgebung groß wird. Inzwischen ist ihre Tochter erwachsen und Halina wünscht sich ein Enkelkind.

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