Duschen bitte: ICE-Züge in der Waschanlage

Dieser ICE muss dringend in die Wäsche.

Aus der Ferne sehen die weißen ICE-Züge sehr schick aus. Doch aus der Nähe sieht man: Die Züge sind pottdreckig! Auf den schnittigen Fenstern der Triebköpfe - so nennt bei einem ICE die Lok - kleben tote Insekten.

Und der ganze Zug ist mit einer dicken grauen Staubschicht bedeckt. Er muss dringend mal in die Wäsche. Doch wie funktioniert das? Am Bahnhof Rummelsburg in Berlin ist so ein Zugputzen kein Problem. Denn hier gibt es eine Waschanlage, die speziell für ICE-Züge gebaut wurde. Sie sieht aus wie ein langer Tunnel. Am Anfang und am Ende gibt es Schiebetüren. Und mitten hindurch führt ein Gleis.

Die Waschanlage für Züge funktioniert ähnlich wie eine für Autos. Der Unterschied ist nur, dass bei Zügen alles viel größer und komplizierter ist. Zur Berliner Anlage gehören zum Beispiel riesige Tanks mit Reinigungsmitteln. Klar, ein Zug braucht mehr Reinigungsmittel als ein normales Auto.

Rollt ein ICE in die Anlage, wird zuerst der Triebkopf mit speziellen Chemikalien eingesprüht. Er ist immer am dreckigsten. Kein Wunder: Solche Hoch-Geschwindigkeits-Züge brausen teilweise mit mehr als 250 Kilometern pro Stunde durch die Gegend. Da bleibt einiges hängen.

"Wir weichen den Triebkopf deshalb sozusagen ein", erklärt Fachmann Bodo Schöneberg. Besonders gut riecht es dabei nicht. Eher ein bisschen muffig nach einer Mischung aus Chemikalien, Dreck und Putzwasser. Doch davon bekommt der Lokführer nichts mit, der den Zug durch die Anlage fährt. Fenster und Türen sind nämlich luftdicht verschlossen.

Dann schiebt sich eine Art große Brücke mit riesigen Bürsten über die Lok. Das sieht lustig aus, denn die Bürsten sind rot oder gelb - sie sehen ein bisschen aus wie Perücken von Clowns. Wenn der Zug dann weiter durch die Waschanlage rollt, plätschert und blubbert es überall.

Langsam schiebt sich der ICE durch den Waschtunnel. "Zum Schluss wird geduscht", kündigt Bodo Schöneberg an. Dann braust spezielles Wasser über den Zug. Mit normalem Wasser wären später Streifen auf den Fenstern zu sehen - vom Kalk.

Die ganze Wäsche dauert eine gute halbe Stunde. Am Bahnhof Rummelsburg kommen immer mehr leere ICE-Züge an. Viele von ihnen werden in den nächsten Stunden durch die Waschanlage rollen - und dann blitzsauber wieder losfahren.

Hintergrund: Eine ICE-Wäsche kostet ziemlich viel

Wenn ein Zug wie der ICE in eine Waschanlage fährt, wird das ganz schön teuer: Eine Wäsche kostet oft mehr als 350 Euro. Wie bitte? Eine Autowäsche an der Tankstelle ist doch viel billiger!

Das ist richtig. Aber so ein ICE ist auch bis zu etwa 400 Meter lang. Ein Auto ist viel kürzer und die Wäsche dauert nicht so lange - auch deswegen kostet Autowaschen weniger als eine ICE-Wäsche.

Um einen ICE wieder sauber zu bekommen, braucht man zum Beispiel sehr viel Wasser. Irre viel Wasser sogar: mehrere Tausend Liter. Hinzu kommt jede Menge spezielles Reinigungs-Mittel. Das soll die Züge richtig saubermachen.

In der Regel werden ICE-Züge alle drei bis vier Tage gewaschen. Denn dann sind sie häufig mehrere Tausend Kilometer gefahren - und ziemlich dreckig. Schließlich bleiben bei einer Fahrt zahlreiche kleine Tiere am Zug kleben. Auch anderer Dreck kommt dazu.

Wenn sehr viele Züge gebraucht werden, kann es aber auch ein paar Tage länger dauern, bis ein ICE von außen geputzt wird. Zum Beispiel zu Beginn der Ferien, wenn viele Menschen reisen.

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