David hat ein trauriges Geheimnis: Er lebt mit HIV

Kinder, die das Aids-Virus im Körper haben, reden meist nicht darüber. Sie lassen ihr Geheimnis im Dunkeln, weil sie Angst, ihre Freunde zu verlieren.

Nur sehr wenige Kinder bei uns haben das Aids-Virus im Körper. Und wenn, dann erfahren andere Menschen selten etwas davon. Denn die Kinder reden meist nicht darüber.

Sie haben Angst, sonst ihre Freunde zu verlieren. So geht es auch David aus Gießen. David will gern Basketballprofi werden - oder Pilot. Er ist 15 Jahre alt und seine Freunde kennen ihn als ziemlich coolen Typen. Das ist er auch. Aber David hat ein Geheimnis, das ihn manchmal traurig macht: Er hat das HI-Virus im Körper. Das kann die Krankheit Aids auslösen.

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David fühlt sich nicht krank, weil er täglich starke Tabletten nimmt. Er hat sich bei seiner Mutter angesteckt und die Krankheit seit der Geburt. Aber wieso verrät er seinen Freunden nichts davon?

"Es ist etwas, was sie niemals von mir gedacht hätten. Vielleicht würden sie dann etwas anderes von mir denken. Ich hab' Angst, dass alles anders wäre als vorher", sagt David. Er heißt eigentlich gar nicht David. Seinen richtigen Namen will er lieber nicht in der Zeitung oder im Internet lesen. Sonst könnten alle von seinem Geheimnis erfahren.

Wenn Leute das Wort "Aids" hören, stellen sie sich oft sehr kranke Menschen aus Afrika vor, wie man sie manchmal im Fernsehen sieht. Man kann die Krankheit nicht heilen und viele Leute sterben jedes Jahr daran - vor allem in ärmeren Ländern. Aber bei uns sehen die Kinder wegen der tollen Medikamente meist gar nicht krank aus, sondern wie jedes andere Kind, wie David.

In Deutschland gibt es nur wenige Kinder mit dem Virus: etwa 200 unter 15 Jahren. Fast alle halten es geheim und fühlen sich deshalb oft einsam, sagt Davids Arzt Christoph Königs. Es gibt kein Gesetz, dass die Eltern in der Schule Bescheid sagen müssen. Denn anstecken kann man sich so im Alltag nicht - vor allem nicht, wenn jemand seine Medikamente nimmt. Auch das erklärt Davids Arzt.

David wurde in Kenia in Afrika geboren. Dort sind viel mehr Menschen mit dem Virus infiziert. Als David vier Jahre alt war, zog er mit seiner Mutter nach Deutschland. Seitdem wird er hier toll behandelt. Einmal im Monat fährt er mit der Bahn nach Frankfurt zu einer Krankenhaus-Abteilung extra für Kinder mit HIV oder Aids. Doktor Christoph Königs kontrolliert dann Davids Blut und prüft, ob die Tabletten gut wirken. David nimmt die großen Pillen morgens und abends zusammen mit seiner Mutter. Fünf Stück pro Tag.

Der clevere Junge aus der zehnten Klasse kommt gut damit klar, dass er das Virus hat: "Es gehört einfach zu meinem Leben. Es ist nicht so, dass ich zu Hause sitze und rumheule", sagt er. Und die Medizin wird auch immer besser. Früher sind infizierte Menschen meist jung gestorben. Heute werden sie fast genauso alt wie andere Leute.

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