Der Künstler aus dem Tattoostudio „Jelly Joker“ im Interview

David Rinklin - Kassels jüngster Tätowierer

Tattoo, gestochen von David Rinklin

Kassel. Der 22-jährige Tätowierer David Rinklin aus dem Tattoostudio „Jelly Joker“ ist Kassels jüngstes Tätowier-Nachwuchstalent. Vor drei Jahren machte er seine Leidenschaft zum Beruf. Im Interview erzählt er über seinen Weg als Tätowierer.

Info

Jelly Joker Kassel
Neue Fahrt 3
34127 Kassel
Tel.: 0561/7298930
www.joker-tattoo.de
www.myspace.com/davidrinklin

Rinklin machte 2007 seine Leidenschaft für künstlerische Gestaltung zum Beruf. Durch eine Freundin fand er das Interesse am Tätowieren. Zu Beginn übte er an sich an Freunden - heute verdient er seinen Lebensunterhalt damit, professionell im Tattoostudio „Jelly Joker“ zu tätowieren.

Wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Eine Freundin hat sich damals am Wochenende immer mal wieder ein bisschen was von einer Tätowiererin zeigen lassen. Irgendwann hab ich mich ein-, zweimal dazu gesellt. Und als dann unsere Hilfestellung keine Zeit mehr hatte, habe ich auf eigene Faust losgelegt und mich erst selbst und dann Freunde tätowiert.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus oder gibt es den überhaupt nicht?

Klar gibt es den. Zuerst checke ich die E-Mails, bereite die Kabine und die entsprechenden Materialien vor, warte auf den ersten Kunden und arbeite den Terminplan ab.

Welche Art von Kunden kommt zu dir und welche sind dir am liebsten?

Durch die zentrale Lage unseres Studios haben wir natürlich viel Laufkundschaft. Lieber sind mir aber die Leute, die sich erkundigt haben und wegen dem was ich mache, sich dazu entschieden haben, zu mir zu kommen. Die sind meist nicht so fordernd und lassen mir mehr Entscheidungsspielraum, was zu einem besseren Ergebnis führt.

Hast du dich auf etwas Bestimmtes spezialisiert und was inspiriert dich zu neuen Ideen?

Ich denke, dass jeder Mensch Sachen hat, die er am liebsten macht und woraus sich dann auf kurz oder lang deine Stärken entwickeln. Am liebsten mach ich eigentlich „Black and Grey“ Tattoos. Ob Realistisch, Düster, Comic, Traditionell völlig egal. Ich lasse mich meistens durch Musik, andere Künstler oder Nonsens inspirieren.

Was ist das Außergewöhnlichste was du je gestochen hast bzw. stechen solltest?

Ich hab mal jemanden den Namen seiner Frau aufs "Glied" tätowiert. Mit diesem Kapitel hab ich aber abgeschlossen.

Was würdest du auf keinen Fall tätowieren oder gibt es etwas, von dem du abraten würdest?

Grundsätzlich steche ich nichts wo ich Bedenken habe, dass es sich qualitativ nicht vernünftig umsetzen lässt. Diesem Medium sind einfach Grenzen gesetzt und die sollten auch eingehalten werden. Ansonsten natürlich keine Sachen bei denen ich mit dem Gesetz in Konflikt kommen könnte. Abraten würde ich davon, dem Tätowierer deinen Willen aufzudrücken, obwohl er sich dagegen sträubt. Das geht immer in die Hose.

Gibt es Umstände, unter denen du auf keinen Fall tätowieren würdest?

Wenn Kunden unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder blutverdünnenden Medikamenten stehen.

Wie gehst du mit Beschwerden um und rätst du auch manchmal Kunden von ihren Ideen oder Vorstellungen ab?

Bei Beschwerden ist es so, dass sie meist nicht direkt beim Stecher ankommen. Eigentlich gar nicht. Ich denke, wenn jemand unzufrieden ist, geht er zu den Mitbewerbern und deren Tätowierer kommen dann zu uns und beschweren sich. Das geht aber an mir vorbei. Ich gebe immer mein Bestes, soweit der Kunde es zulässt. Und wenn das jemanden nicht passt, dann hat er sich für den falschen Stecher entschieden. Ich dränge mich ja niemandem auf. Im Gegenteil sogar. Ich rate ständig Leuten von ihren Ideen ab, wenn sie nicht umzusetzen sind. Ein Laie kann einfach kein perfektes Konzept für ein Tattoo entwerfen.

Möchtest du für immer ein Tätowierer bleiben und hast du Vorstellungen für die Zukunft?

Vorstellungen? Klar! Soweit damit zu kommen wie möglich. Ansonsten gibt es nichts was mich reizen würde, außer vielleicht Musik oder Kunst.

Das Interview führten Kristina Waitz, Jennifer Kathöwer, Martin Rehm, Eva Pilch, Christian Marx vom Hessenkolleg (Klasse LG45-2) im Rahmen des Projektes Medien machen Schule.

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