Comic-Übersetzerin: "Obelix ist einfach zum Drücken"

Wie soll eine Comic-Figur bloß sprechen? Gudrun Penndorf ist darin Expertin

In Frankreich sagt man: "Du bist ja wie mit der Schaufel wegzukippen!" und meint dabei: "Mann, siehst du fertig aus". Es ist gar nicht so leicht, einen Comic zu übersetzen - zum Beispiel vom Französischen ins Deutsche.

Denn die Sprechblase ändert ja nicht ihre Größe. Der deutsche Text muss also etwa genauso lang sein wie der französische. Mit solchen Problemen musste sich die frühere Comic-Übersetzerin Gudrun Penndorf herumschlagen. Sie hat die ersten Asterix-Hefte vom Französischen ins Deutsche übersetzt.

Wie wurden Sie Comic-Übersetzerin?

Gudrun Penndorf: "Durch Zufall. Ich habe bei einem Verlag gearbeitet und einen Kollegen kennengelernt, der nebenbei "Batman" übersetzt hat. Ein paar Wochen später hat er mich angerufen und gefragt, ob ich für die Comic-Reihe "Lustige Taschenbücher" übersetzen wolle. Das waren erst mal Disney-Comics in Taschenbuchform. Ich hatte bis dahin noch keine Comics gelesen und mir schnell ein paar alte, zerfledderte Heftchen besorgt. Die habe ich genau angeschaut: Wie sprechen zum Beispiel die Kinder, Onkel Dagobert, die Panzerknacker?"

Was ist besonders an der Sprache in Comics?

Gudrun Penndorf: "Comic-Figuren sollen eine Sprechsprache benutzen. Das heißt: eine Sprache, die man im Alltag auch benutzen könnte. Dabei sollen sie aber nicht allzu flapsig reden. Außerdem haben manche Figuren persönliche Merkmale. Der Druide Miraculix etwa, der für Asterix den Zaubertrank braut, spricht ziemlich gesetzt. Er benutzt ältere Ausdrücke wie "mit Fug und Recht", die man als junger Mensch kaum verwenden würde."

Was ist besonders schwer beim Comic-Übersetzen?

Gudrun Penndorf: "Den Text in die vorgegebenen Sprechblasen einzupassen. Die französische Sprache ist knapper, Deutsch ist da viel sperriger. Außerdem musste ich bei "Asterix" eine zeitlose Sprache benutzen, damit sie auch fünfzig Jahre später noch verstanden wird. Vor 30 Jahren fingen zum Beispiel viele Menschen an zu joggen. Ich wollte beim Übersetzen auch Methusalix, den greisen Opi im gallischen Dorf, joggen lassen. Aber der Verlag meinte: Wer weiß, ob man später noch weiß, was joggen ist. Also verwendete ich einen neutralen Ausdruck: Methusalix machte Frühsport."

Welche Comic-Figur mögen Sie am liebsten?

Gudrun Penndorf: "Asterix weiß immer alles, er ist schlau und pfiffig. Aber am liebsten ist mir Obelix. Er stellt zwar oft Fragen, die auf den ersten Blick ein bisschen dumm sind. Aber gerade dadurch schafft er es meist, das Problem zu lösen. Obelix ist einer, der es gut meint und oft schlecht wegkommt. Dabei ist er kein Loser, wie beispielsweise Donald Duck. Obelix ist einfach zum Drücken."

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