Bunt und duftend: Blumenberge in den Alpen

Wie das duftet! Und wie bunt alles ist! Wer im Sommer in den Bergen wandert, kann richtig was zu sehen und zu riechen bekommen: Hier blühen jetzt Wiesen voller bunter Blumen und duftender Kräuter - etwa im Alpengebirge.

Da lohnt es sich, genau hinzusehen und auch mal die Nase in eine Blüte zu stecken. "Die Sonne hat in den Bergen eine größere Wirkung als im Tal. Dadurch sind der Duft und die Farbe mancher Blumen und der Geschmack vieler Kräuter viel kräftiger", erzählt Regine Willinsky aus dem Allgäu in Bayern.

Die Frau hat früher als Bio-Lehrerin gearbeitet und wandert jetzt mit Schulklassen und Jugendgruppen aus ganz Deutschland in den Bergen oberhalb von Oberstdorf. Hier sind viele Berge übersät mit Blumen. Zu den schönsten in der Gegend zählen die Berge mit den Namen Fellhorn und Kanzelwand. Das Besondere an ihnen ist, dass darauf so viele verschiedene und zum Teil seltene Blumen wachsen. "Hier oben gibt es insgesamt 160 Arten", sagt Regine Willinsky.

Sie kann tolle Geschichten über die einzelnen Pflanzen erzählen. Zum Beispiel über den Enzian. Rund zehn verschiedene Enzian-Arten gibt es auf dem Fellhorn, sagt Regine Willinsky. Aus der Wurzel des Gelben Enzian wird Schnaps gemacht. Aber Vorsicht! Die Blume sieht einer anderen Pflanze sehr ähnlich. Die heißt Weißer Germer. "Die beiden Pflanzen darf man auf keinen Fall verwechseln. Der Germer ist hochgiftig", sagt die Blumen-Expertin. An der Art, wie die Blätter angeordnet sind, könne man die beiden unterscheiden.

Viele Alpenblumen können nur in einer bestimmten Höhe wachsen, weil sie die kühle Luft, einen besonderen Boden oder viel Sonne brauchen. Das Edelweiß wächst zum Beispiel erst oberhalb von etwa 1800 Metern. Anders als im Tal haben die Blumen in den Bergen allerdings viel weniger Zeit, um zu wachsen und zu blühen. Denn der Winter kommt hier oben schneller. "Wenn der letzte Schnee im Frühjahr weggetaut ist, bleiben den Alpenblumen nur etwa vier Monate Zeit. Im September fällt oft schon wieder der erste Schnee", sagt Regine Willinsky.

Die Blumen im Gebirge müssen auch das extreme Wetter aushalten. Um trotzdem überleben zu können, haben sie sich an ihre Umgebung angepasst. Einige Pflanzen schmiegen sich zum Beispiel flach an den Boden oder wachsen in Felsspalten, um weniger Wind abzubekommen. Ihre Wurzeln sind oft besonders lang, um hier oben an Wasser zu kommen. Andere schützen sich vor dem Austrocknen, indem sie Wasser speichern. "Alpenblumen sind nicht nur wunderschön. Sie sind echte Überlebenskünstler", sagt Regine Willinsky.

Kleines Blumen-ABC: Alpenrose und Silberdistel

Alpen-Milchlattich: Diese Pflanze hat blau-lilafarbene Blüten und kann rund eineinhalb Meter hoch werden. Sie ist bei Bergbauern sehr beliebt. Denn es heißt: Kühe geben mehr Milch, wenn sie von dieser Pflanze fressen. Daher hat der Alpen-Milchlattich wohl auch seinen Namen.

Alpenrose: Sie hat eine prächtige rote Farbe und gilt als eine der schönsten Alpenblumen. Auf manchen Bergen gibt es ganze Wiesen voller Alpenrosen, die in der Blütezeit wie ein leuchtend roter Teppich aussehen. Im Allgäu in Bayern wird dann sogar ein eigenes Bergfest gefeiert.

Alpen-Küchenschelle: Ihre weißen oder gelben Blüten sehen wie kleine Kuhglocken aus. Man nennt sie deshalb auch Alpen-Kuhschelle. Ihre Frucht erinnert an einen haarigen Kopf. Deshalb hat diese Blume witzige Beinamen wie Wildes Männle, Teufelsbart oder Hexenbesen.

Glockenblume: Es gibt viele Arten von Glockenblumen. In den Bergen findet man häufig die Zierliche und die Bärtige Glockenblume. Beide blühen blau. Die Bärtige Glockenblume gibt es auch in Weiß und Lila. Ihren Namen verdankt sie den kleinen Haaren in der Blumenkrone.

Silberdistel: Sie wächst sehr langsam und ist meist schon aus der Ferne an ihren silbern leuchtenden Blättern zu erkennen. Je nach Wetter öffnet oder schließt sich die Blüte. Die Silberdistel gilt als Heilpflanze. Sie soll zum Beispiel bei Magenschmerzen helfen.

Türkenbund: Diese Blume kann über einen Meter hoch wachsen und hat rosafarbene Blüten. Besonders abends und nachts verströmt der Türkenbund einen süßen Duft, der viele Schmetterlinge anlockt. Die Blütenblätter sind so stark nach außen gerollt, dass die Blüte an einen Turban erinnert. Vielleicht heißt die Pflanze deshalb Türkenbund.

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