Bühnenbildner entführen in andere Welten

+
Bühnenbilder gibt es in den verschiedensten Arten und Weisen. Manche sind sehr aufwändig, manche sehr schlicht.

Ein toller Nachmittag im Theater: es war spannend und Du hattest das Gefühl, mittendrin zu sein. Darsteller und Geschichte haben Dir gefallen, aber auch die Bühne hat Dich in eine andere Welt transportiert.

Hinter so einem gelungenem Bühnenbild steckt viel Arbeit. Wie bei diesem Stück: Es ist dunkel. Nur der Mond wirft ein bisschen Licht auf ein kleines Haus mitten im Wald. Ein Junge und ein Mädchen stehen davor. Plötzlich ein Knall! Aus der Luft heraus stürzt sich eine alte Frau auf die Kinder.

Das Publikum schreckt auf. "Hänsel und Gretel" heißt das Stück, das die großen und kleinen Zuschauer in ihren Bann zieht. Was wird die alte Hexe als nächstes tun? Sind die Kinder für immer verloren? Fragen über Fragen...

Theater entführt die Menschen in andere Welten. Damit das gelingt, braucht es ein gutes Theaterstück, gute Schauspieler - und eine Bühne, die gut dazu passt. Man sagt auch Bühnenbild und meint, wie es auf der Bühne aussieht: den Wald, das Häuschen und so weiter.

"Das Bühnenbild schafft eine besondere Stimmung auf der Bühne und zieht die Zuschauer in den Bann des Stückes", erklärt Franz Gronemeyer. Franz ist von Beruf Bühnenbildner. Für Hänsel und Gretel hat der 40-Jährige zwar noch kein Bühnenbild entworfen. Aber er sah das Stück als Kind und seitdem schwärmt er für die Bühne.

"Das Tolle an meinem Beruf ist, dass ich mir immer wieder neu ausdenke, wie man eine Geschichte erzählen kann und das dann später auf der Bühne sehe", sagt Franz. "Dabei kann ich meiner Fantasie freien Lauf lassen. Wenn es der Geschichte dient, kann ich Betten brennen oder Häuser durch die Luft fliegen lassen."

Die Arbeit eines Bühnenbildners beginnt lange, bevor die Schauspieler mit den Proben anfangen: Als Erstes liest der Bühnenbildner das Theaterstück, das aufgeführt werden soll. Dabei sammelt er Ideen und macht erste kleine Zeichnungen von einem möglichen Bühnenbild. Dabei arbeitet er zum Beispiel eng mit dem Regisseur zusammen. Denn der hat genaue Vorstellungen davon, wie die Handlung des Stückes auf der Bühne lebendig werden soll.

Dann baut der Fachmann oder die Fachfrau das Bühnenbild komplett in einem kleinen Modell nach. "Das Modell zu bauen, macht meist mehr Arbeit, als die Idee zu entwickeln", sagt Franz. Aber die Arbeit lohnt sich, denn mit Hilfe des Modells bekommt man einen guten Eindruck davon, wie später alles aussieht.

Sind Leute wie Bühnenbildner und Regisseur mit dem Entwurf zufrieden, kommt das Modell meist zu einer Bauprobe. Dabei prüft der Bühnenbildner, ob sich seine Ideen im Theater auch technisch umsetzen lassen. Er schaut zum Beispiel, ob es überhaupt die Möglichkeit gibt, um etwa eine Hexe durch die Luft fliegen zu lassen.

Dann macht der Bühnenbilder genaue technische Pläne für den Bau des Bühnenbilds. Schließlich trifft sich der Bühnenbildner mit den Handwerkern, die das Ganze bauen sollen. Sie überlegen zusammen, wie man die Ideen am besten umsetzt. Zum Beispiel: Soll das Hexenhäuschen aus Schaumstoff gefertigt werden? Bauen wir Bäume aus Kunststoff oder malen wir den Wald einfach auf? Die Handwerker bauen das Bühnenbild anschließend etwa in Werkstätten. Und irgendwann heißt es dann: Bühne frei!

Beruf: Bühnenplastiker

Ein wichtiges Mitglied des Theaterteams sind die Bühnenplastiker. Sie setzen die Ideen und Entwürfe des Bühnenbildners in die Wirklichkeit um. Ein Wolf, der täuschend echt die Zähne fletscht? Kein Problem! Ein Schiff, das mit gehissten Segeln über die Bühne schwebt? Nichts leichter als das!

Bühnenplastiker bauen zum Beispiel Möbel, Tiere, Figuren oder ganze Landschaften nach. Dabei arbeiten sie mit verschiedensten Materialien. Etwa mit Holz, Kunststoff, Metall, Ton, Gips, Stein oder Papier.

Sie müssen dabei geschickte Handwerker sein und wissen, welche Materialien sich am besten eignen.

Bühnenplastiker gibt es aber nicht nur beim Theater: Zum Beispiel beim Film gestalten sie die Sets für Dreharbeiten mit.

Bühnenbildner arbeiten mit Vielen zusammen

Allein vor sich hinarbeiten? Das macht kein Bühnenbildner. Denn in der Regel muss er seine Ideen und Pläne mit vielen anderen Leuten abstimmen.

Zunächst mit dem Regisseur. Der ist der Chef, wenn es darum geht, das Stück auf die Bühne zu bringen. Er hat eine genaue Vorstellung davon, wie das Theaterstück auf der Bühne gezeigt werden soll.

Der Bühnenbildner muss sich aber auch eng mit den Leuten abstimmen, die für die Kostüme der Schauspieler und deren Schminke zuständig sind. Denn schließlich soll zum Schluss alles zusammenpassen.

Und natürlich redet der Bühnenbildner auch mit den Technikern des Theaters, wie dem Beleuchtungsmeister.

Denn das Licht beeinflusst mit, wie das Bühnenbild wirkt. Außerdem muss der Bühnenbildner noch seine Ideen mit den Handwerkern abstimmen. Sie bauen seine Entwürfe in Groß auf und lassen so eine kleine neue Welt Wirklichkeit werden.

Wie wird man Bühnenbildner?

Die meisten Bühnenbildner erlernen ihren Beruf an besonderen Schulen - sie heißen Kunstakademien. Die Studienplätze dort sind begehrt. Deshalb gibt es meist sehr viel mehr Bewerber als freie Plätze.

Wenn man an so einer Schule aufgenommen werden will, muss man unter anderem eine Mappe einreichen.

Da sind zum Beispiel Zeichnungen drin. Mit denen zeigt man den Leuten an der Kunstakademie, dass man künstlerisch begabt ist. Eine gute Mappe ist wichtig, um einen Studienplatz zu ergattern.

Wer Bühnenbildner werden möchte, sollte vor allem Spaß am Zeichnen haben und sich für Theater interessieren.

Er sollte auch ein bisschen was von Handwerksarbeiten verstehen.

Viele Bühnenbildner sind aber auch Quereinsteiger. Sie haben zunächst einen anderen Beruf gelernt - und sind etwa Grafiker, Innenarchitekten oder Bühnenmaler. Später sind sie dann zum Bühnenbild gekommen.

Kommentare