Zu Besuch bei Wildpferden in Deutschland

Die Wildpferde werden nicht gepflegt oder gefüttert.

Wildpferde-Bahn - das steht an dem Eisentor. Friederike Rövekamp kramt in ihrer Tasche, zieht einen dicken Schlüsselbund hervor und öffnet das Schloss.

Hinter dem Tor beginnt eine riesige Wiese, die direkt an einen Wald grenzt. "Jetzt sind wir im Wildpferde-Gehege! Das ist ungefähr so groß wie 800 Fußballfelder", sagt Friederike Rövekamp. Sie ist dort Försterin. In dem Gehege leben fast 400 Wildpferde. Die Heimat der Tiere heißt Merfelder Bruch. Das liegt bei Dülmen in Nordrhein-Westfalen.

Die Wildpferde stehen weit weg vom Zaun und grasen friedlich. Sie sind klein und kräftig. Die meisten sind grau-braun und haben einen schwarzen Strich auf dem Rücken, von der Mähne bis zum Schweif.

Friederike Rövekamp stapft durchs Gras auf die Herde zu. "Wild heißt, sie sind unabhängig von uns Menschen. Den Pferden ist es egal, ob jemand kommt oder nicht", erklärt sie und geht auf eine Gruppe zu. In der Mitte liegt ein kleines Fohlen, ganz dicht bei seiner Mutter.

Als die Försterin die Hand nach der Stute ausstreckt, sieht es fast so aus, als würde sie sich erschrecken. Die Wildpferde sind es nicht gewöhnt, gestreichelt oder gefüttert zu werden.

"Besucher sagen oft: Aber das sind doch keine Wildpferde, wenn die hinter einem Zaun stehen", erzählt die Försterin. Zaun und Wildpferde - das passt ja auch irgendwie nicht zusammen. Doch Friederike Rövekamp erklärt: "Ohne Zaun würden die Tiere auf die Autobahn laufen oder auf den Feldern der Bauern das Getreide auffressen."

Wild sind die Pferde trotzdem. Sie haben zum Beispiel keine Hufeisen und keinen Stall. Außerdem hilft ihnen niemand, wenn sie krank sind oder Hunger haben.

Ein junges Pferd reibt sich an einem Baumstamm. Am Bauch hat es zotteliges, langes Fell. "Das ist das Winterfell", sagt die Försterin. Die Pferde hier draußen werden nicht gestriegelt. Deshalb schubbern sie sich an den Bäumen, bis das lange Fell abgeht. Die jüngeren Pferde haben mehr Fell und müssen das Schubbern noch üben, deshalb haben sie an manchen Stellen noch langes, dickes Fell.

Wilde Pferde fangen ohne Lasso

Ganz ohne Lasso, nur mit den Händen. So werden einmal im Jahr junge Wildpferd-Hengste gefangen. Das ist ein großes Spektakel bei der Wildpferde-Bahn im Merfelder Bruch in Nordrhein- Westfalen. Viele Menschen schauen dabei zu. Das Fest steigt immer am letzten Samstag im Mai - das ist an diesem Wochenende.

An diesem Tag wird die ganze Herde in eine große Arena getrieben. Nur Hengste, die so um ein Jahr alt sind, werden gefangen. Alle anderen Wildpferde dürfen wieder zurück auf die Weide.

Die jungen Hengste werden versteigert. Die neuen Besitzer zähmen sie dann und dürfen sie reiten.

Es ist wichtig, jedes Jahr ein paar Hengste zu fangen. Denn in der Herde können nicht zu viele Hengste zusammenleben. Sie würden sich als Rivalen ansehen. Und dann würde es vielleicht Kämpfe darum geben, wer das Sagen hat. Außerdem würde die Herde immer größer werden. Das geht aber nicht, weil jedes Pferd genug Platz und viel Gras braucht.

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