Besser als die Technik: Super-Schreiber im Bundestag

Waltraud Plickert ist eine von den fleißigen Schreiberinnen.

Die Wörter schwirren in Massen durch die Luft im Bundestag in Berlin. Dort sitzt das deutsche Parlament. Die Politiker reden und reden - und einige Menschen schreiben alles mit.

Sie arbeiten als Stenografen und fertigen unter anderem die Protokolle von den Sitzungen des Parlaments an. Eine von ihnen ist Waltraud Plickert. "Ich schreibe 350 Silben, also ungefähr 170 Wörter pro Minute", sagt die Stenografin. Eine ganze Menge. Die meisten Menschen könnten das nie so schnell schaffen. Aber Waltraud Plickert benutzt ein ausgeklügeltes System: Stenografie, auch Kurzschrift genannt.

Die Zeichen sind von der normalen Schrift abgeleitet, aber stark verkürzt und vereinfacht. Das ist fast was für Faule. Alle Wörter werden klein geschrieben. Selbstlaute wie a, e oder o lässt man so gut wie weg. "Die werden nur angedeutet", erklärt Waltraud Plickert. "Von dem b schreiben wir zum Beispiel nur einen Teil der Schlaufe hin. So ist es bei allen Buchstaben. Wir schreiben insgesamt nicht unbedingt schneller, sondern weniger und können so in der gleichen Zeit mehr erfassen", erklärt sie. Aber: Bei der Arbeit muss man sich sehr konzentrieren.

Waltraud Plickert hat schon Steno gelernt, als sie noch zur Schule ging - als Hobby, in einem Stenografenverein. "Ich fand das spannend. Man kann sie wie eine Geheimschrift nutzen, die andere nicht lesen können, zum Beispiel in der Schule oder zum Tagebuch schreiben", erzählt die 35 Jahre alte Frau. "Die Lehrer und alle anderen wussten ja nicht, was man da schreibt", sagt sie. Später machte sie aus ihrem Hobby einen Beruf.

Ihren Job im Bundestag könnte wohl keine moderne Technik besser machen. "Wir schreiben nicht nur alles auf, was der Redner sagt, sondern auch alles, was passiert, zum Beispiel wenn jemand dazwischenruft oder Beifall klatscht", erzählt Waltraud Plickert. Deshalb sitzt sie mit dem Rücken zum Redner. So kann sie die Abgeordneten sehen.

Fürs Protokoll muss sie genau wissen, wie jeder der mehr als 600 Politiker heißt. Wenn nach einer Wahl neue Abgeordnete ins Parlament kommen, ist deshalb Büffeln angesagt. "Viele kennt man noch nicht. Deshalb üben wir, die Namen den Gesichtern zuzuordnen", sagt Waltraud Plickert. Ein Kollege hat dazu sogar ein Computerspiel mit Politikerfotos entworfen.

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