Beruf Leuteschreck: Als Schauspieler im Gruselkabinett

Tom Dittmann schminkt sich für seine Rolle als Moorleiche.

Fast jeden Morgen verwandelt sich Tom Dittmann in ein Monster. Der 40-Jährige arbeitet als Schauspieler. Und zwar in einem Gruselkabinett in Hamburg in Norddeutschland. Das heißt "Hamburg Dungeon".

Etwa eine halbe Stunde dauert es, bis aus Tom ein Zombie wird. So lange braucht er, um sich zu schminken. Er verteilt rote Farbe auf seinem Gesicht, damit es so aussieht, als würde er bluten. Mit Zahnlack pinselt er sich die Zähne ein, damit sie verfault und löchrig wirken. Manchmal malt er sich auch ein Loch auf den Kopf. Erst abends darf er sich die Farbe wieder aus dem Gesicht wischen.

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Bis dahin bewegt sich Tom durch die dunklen Räumen des Dungeon (gesprochen: Dandschn). Und er versucht dabei, so vielen Menschen wie möglich Angst und Schrecken einzujagen. Er springt durch versteckte Türen oder hinter schwarzen Vorhängen hervor und brüllt mit unheimlicher, rauer Stimme. Die Menschen zucken zusammen, einige schreien auf - gruselig.

Tom kann eigentlich keiner Fliege etwas zuleide tun. Aber sein Job macht ihm Spaß. Seit vier Jahren ist er von Beruf Leuteschreck. "Wenn Väter zusammenzucken und kreischen, dann ist das schon ein Erfolg", sagt er und zeigt sein gruseliges Lachen.

Das Dungeon ist eine Mischung aus Geisterbahn, Theater und Gruselmuseum. Wenn dort viel los ist, dann spielen Tom und seine Kollegen etwa 40 Mal am Tag Hexen, Zombies oder Piraten - manchmal acht Stunden am Stück. Es geht um die unheimliche Geschichte der Stadt Hamburg: Um das große Feuer, das die Stadt vor langer Zeit in Schutt und Asche gelegt hat oder um den berühmten Piraten Störtebeker. Der wurde geköpft und soll danach noch ohne Kopf herumgelaufen sein.

Das klingt alles ziemlich schrecklich, aber eigentlich ist ein Besuch im Dungeon harmlos. Den Besuchern passiert meist nichts. Nur einmal fiel eine Frau vor Schreck von einer Bank, erzählt Tom. Dafür leben die Schauspieler ganz schön gefährlich. Eine alte Dame schlug Tom einmal mit voller Wucht ihre Handtasche ins Gesicht, weil sie so viel Angst hatte. "Sie hat sich dann tausendmal entschuldigt, als sie wieder zu sich kam", sagt er und lacht.

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