Auch Menschen können Pferdesprache lernen

Aufgeblähte Nüstern und gespitzte Ohren: dieses Pferd ist aufgeregt.

Die Nüstern gebläht, die Ohren aufgestellt und den Schweif in die Höhe: so sieht ein aufmerksames und waches Pferd aus. An der Körpersprache kann man wunderbar erkennen, wie die Tiere drauf sind. Und mit genug Übung spricht man vielleicht auch bald "Pferd".

So wie bei Tanja aus Weilburg in Hessen. Wenn sie in den Stall kommt dann sieht sie sofort, ob ihr Pferd Romero gute oder schlechte Laune hat. "Ich muss ihm nur in die Augen schauen und weiß Bescheid", erzählt die junge Frau. Kein Wunder: Sie und Romero kennen sich schon seit über zehn Jahren. Doch nicht nur an den Augen kann ein Mensch sehen, wie es dem Pferd geht. Pferde unterhalten sich überwiegend über ihre Körpersprache. Und mit ein bisschen Übung kann auch ein Mensch diese Sprache verstehen lernen. Und sogar selbst ein bisschen anwenden.

Pferde unterhalten sich zum Beispiel viel mit Hilfe ihrer Ohren, die sie in alle Richtungen bewegen können. "Die Ohren spiegeln ihre Stimmung wider", sagt die Tierärztin Melanie Schröter aus Weilburg. So legt etwa ein Pferd die Ohren ganz flach nach hinten an den Kopf an, wenn es äußerst schlechte Laune hat. Wenn es dagegen entspannt ist, lässt es zum Beispiel die Unterlippe hängen. Und was macht es, wenn es aufgeregt ist? Dann hält es etwa den Schweif hoch.

Einiges aus der Pferdesprache können wir Menschen übrigens auch machen, zum Beispiel das Beschnuppern. Wenn sich Pferde das erste Mal treffen, blasen sie sich gerne gegenseitig in die Nüstern und lernen sich so kennen. "Pferde können sehr gut riechen", sagt die Tierärztin. Wer möchte, kann einem Pferd in die Nüstern pusten. Vorausgesetzt natürlich, es ist ein sehr artiges Tier, das nicht beißt. Aber meistens mögen die Tiere das Pusten sehr gern.

Eine weitere Möglichkeit, sich mit einem Pferd zu unterhalten, ist die Haltung und die Bewegung des eigenen Körpers. Wer ihm zum Beispiel zeigen will, das man der Chef ist - der sollte seinen Körper gerade halten und versuchen, sich größer zu machen. Das machen Pferde auch so. Wenn sich zwei fremde Tiere begegnen, plustern sie sich richtig auf: Der Kopf wird hoch getragen und der Hals aufgewölbt. Manche Pferde - vor allem Hengste - stellen sich auch auf die Hinterbeine, um den anderen einzuschüchtern. Dieses Steigen kannst du übrigens mit deinen Armen nachahmen, indem du sie nach oben streckst.

Pferde sind Meister in der Körpersprache. Und weil Menschen meist unbewusst ihren Körper sprechen lassen, wissen Pferde sehr viel über uns: Zum Beispiel erkennen sie, wenn jemand Angst hat und sich dann etwas kleiner macht. "Sie merken es ganz genau, wie ein Mensch drauf ist", meint auch Tanja und ihr Romero guckt, als wolle er sagen: "Na logisch."

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