Atomkraftwerk: Große Kraft durch kleine Teilchen

So sieht das Atomkraftwerk Emsland in Lingen von außen aus: Unter der Betonkuppel links wird die Energie erzeugt.

Jeden Tag benutzt du Strom: Klick - schon leuchtet die Lampe. Auch dein Computer, das Radio oder der Fernseher brauchen Elektrizität aus der Steckdose. Aber wo wird Strom hergestellt?

Es gibt viele Möglichkeiten, wo der Strom dafür herkommt. Atomkraft ist eine davon. Dazu braucht man ein riesiges Kraftwerk. Das Kernkraftwerk Emsland in Lingen in Niedersachsen ist zum Beispiel so eines.

Aber wie macht so ein Kraftwerk das? Der Vorgang ist ziemlich kompliziert und hat etwas mit Atomen zu tun. Atome sind die Bausteine der Natur. Es sind allerkleinste Teilchen, aus denen alles besteht - Menschen, Pflanzen, Möbel oder Autos. In diesen Atomen sind noch winzigere Atomkerne. Wenn man diese Kerne spaltet, wird viel Energie frei - damit kann man zum Beispiel Strom erzeugen. Das geht aber nicht mit allen Atomkernen, sondern nur mit bestimmten. Normalerweise werden die Atomkerne von Uran benutzt. Das ist ein Metall, das unter anderem in Gesteinen vorkommt.

Um die Kerne zu spalten, werden sie mit noch kleineren Teilchen beschossen, mit Neutronen. Dabei wird enorm viel Energie frei. Man nutzt diese Energie, um Wasser zu erhitzen. Es entsteht Wasserdampf. Der strömt auf riesige Schaufelräder einer Turbine und treibt sie an - wie bei anderen Kraftwerken auch. Eine Turbine kann man sich wie das Wasserrad einer Mühle vorstellen. Die Turbine treibt einen Generator an, der den Strom erzeugt. Ein Generator ist so etwas wie der Dynamo an deinem Fahrrad, nur viel größer.

Wenn Strom aus Atomenergie hergestellt wird, entsteht gefährliche Strahlung, radioaktive Strahlung. Sie wird an der Stelle frei, wo die Atomkerne gespalten werden. Radioaktive Strahlung kann Menschen und Tiere sehr krank machen. Im Atomkraftwerk wird sie darum zum Beispiel durch Stahl und Beton abgeblockt oder durch Wasser abgeschirmt.

Obwohl diese Strahlung entsteht, stellen die Menschen Strom aus Atomenergie her. Ein wichtiger Grund ist, dass sie damit auf einen Schlag große Mengen an Strom produzieren können.

Üben, üben, üben: Der Atomkraftwerk-Simulator

Warten bis was passiert und dann mal schauen, was man tut? Das geht nicht in einem Atomkraftwerk! Was man bei Problemen macht, müssen vor allem die Leute üben, die in der Warte sitzen.

Die Warte ist das Kontrollzentrum eines Atomkraftwerks.

Das Üben machen die Leute aber nicht in ihren Kernkraftwerken, die sollen ja schließlich ohne Probleme laufen. Das deutsche Übungs-Zentrum für Kernkraftwerke ist in Essen in Nordrhein-Westfalen.

Man sagt auch, dort werden Schwierigkeiten simuliert oder vorgetäuscht. In dem Simulator-Zentrum in Essen sind die Kontrollräume der meisten Atomkraftwerke in Deutschland ganz genau nachgebaut. Wer hier etwas lernen will, findet genau die gleichen Schalter, Leuchten und Computer wie an seinem Arbeitsplatz vor.

Die Mitarbeiter werden nur für das AKW geschult, in dem sie arbeiten.

Mindestens einmal im Jahr kommen Mitarbeiter der Kontrollzentralen zum Üben nach Essen. Ähnlich wie Flugzeugpiloten auch müssen sie immer wieder nachweisen, dass sie in der Lage sind, ein AKW zu bedienen. Sie lernen also auch, mit Störungen umzugehen und auf Schäden zu reagieren. Wenn es dann bei der Arbeit Probleme gibt, wissen sie, was zu tun ist.

Gefährliche Strahlung - darum geht es auch in einem Atomkraftwerk, kurz AKW. Darum achten die Betreiber von solchen Werken in Deutschland genau darauf, wer hinein- und hinausgeht.

Ein Museum kann man einfach besuchen und sich dann die Dinge darin angucken. - Ein AKW ist jedoch kein Museum. Dort läuft das ganz anders ab: Wenn man zum Beispiel als Journalist einen Bericht über Atomkraft schreibt und dafür ein Kraftwerk von innen anschauen will, muss man sich vorher anmelden und seinen Personalausweis prüfen lassen.

Denn die Leute dort wollen genau wissen, wer man ist.

Mitarbeiter haben einen Werksausweis. Aber auch sie dürfen nur in die Abteilungen des Atomkraftwerks, in denen sie arbeiten.

Besonders streng sind die Vorschriften für den Bereich, in dem das Uran ist. Das liegt nicht an dem Stoff selbst, sondern daran, dass er im Atomkraftwerk bearbeitet wird. Dabei wird radioaktive Strahlung frei, und das ist das Gefährliche.

Der Ort, an dem sich das Uran befindet, ist gut abgeschirmt zum Beispiel mit Stahl und Beton.

Die Menschen, die in der Nähe arbeiten, müssen ihre eigenen Klamotten vorher ausziehen und bekommen Sachen vom Atomkraftwerk. Die sollen dann beim Hinausgehen im AKW bleiben. Denn auch in der Kleidung können kleinste radioaktive Teilchen hängenbleiben.

So kommt es, dass in der Abteilung alle Menschen in den gleichen Overalls herumlaufen. Sie tragen auch alle extra Socken, Schuhe, Handschuhe und eine blaue Mütze. Zumindest im Kernkraftwerk Emsland in Lingen ist die Arbeitskleidung gelb und blau.

Außerdem wird Radioaktivität in der Nähe des Urans ständig gemessen. Man kann sie nämlich nicht sehen oder riechen. Trotzdem kann es sein, dass sie da ist. Wie am Flughafen, muss man durch Kontroll-Maschinen gehen. Die Tür nach draußen öffnet sich nur, wenn man keine Radioaktivität abbekommen hat.

Die Warte - das Gehirn des Atomkraftwerks

Genau wie ein Flugzeug hat auch ein Atomkraftwerk ein Cockpit. Es ist nur viel größer - ein Kontrollraum so groß wie manche Wohnung. Der Raum wird auch die Warte genannt.

Überall in dem Raum befinden sich Schalter, Anzeigetafeln, Monitore und Computer.

Die Menschen, die hier arbeiten, überwachen alles, was in dem Atomkraftwerk passiert: Ist der Druck in den Rohren richtig? Stimmt die Temperatur? Und vor allen Dingen: Funktionieren die Sicherheitssysteme?

Von der Warte aus steuern die Mitarbeiter auch, wie viel Energie das Atomkraftwerk erzeugen soll. Und bei Störungen gibt es genaue Anweisungen, was zu tun ist. Dafür gibt es jede Menge Ordner in den Regalen. Darin steht ganz genau, was die Mitarbeiter in welcher Reihenfolge zu tun haben.

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