Arzt im Zoo: Baumstachler und Löwen als Patienten

Besser mit Handschuhen anfassen: Sehr niedlich aber auch sehr stachelig ist dieser kleine Baumstachler.

Was für eine stachelige Angelegenheit: Zootierärztin Pia Krawinkel muss einen drei Wochen alten Baumstachler untersuchen. Der sieht zwar ziemlich kuschelig aus, kann aber ganz schön pieksen.

Der Baumstachler: Tier mit tausend Stacheln

Wusstest du, dass Baumstachler tausende Stacheln haben? Bis zu 30.000 können es sein. Mit den schwarz-weiß-grauen Dingern verteidigen sich die Nagetiere gegen Angreifer. Sie schwingen ihren Schwanz dann wie eine Keule.

Das Gemeine daran: Die Stacheln haben Widerhaken. Wenn sich die Stacheln in die Haut des Angreifers bohren, bleiben sie stecken. Und bei jeder Bewegung dringen sie tiefer ein. Autsch!

Baumstachler haben auch einen ziemlich kräftigen Kiefer und starke Zähne. Damit sollen sie sogar Glas durchnagen können. Die Tiere leben übrigens in den Wäldern von Kanada, den USA und im Norden Mexikos.

"Die Stacheln vom Baumstachler sind das Fieseste, das es gibt", sagt die 46-Jährige. Sie arbeitet in einem Zoo im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Wenn sich diese Stacheln in die Haut bohren, tut es ganz schön weh. Deshalb hat Pia Krawinkel nicht nur ihren schweren Medizinkoffer, sondern auch ein Paar extra dicke Handschuhe mitgebracht. Sie will gucken, ob der kleine Baumstachler fit ist. "Wenn wir Glück haben und er still hält, kann ich ihn sogar wiegen", sagt die Expertin. Außerdem bekommt das junge Tier auch einen Chip als Erkennungsmarke und eine Spritze mit Vitaminen. Und sogar das Wiegen klappt: 870 Gramm bringt der Kleine auf die Waage. Der Baumstachler ist einer von vielen Patienten, die Pia Krawinkel betreut.

Nicht bei allen Tieren geht das Untersuchen so leicht wie beim Baumstachler. Je größer und gefährlicher ein Tier ist, desto schwieriger wird's. An einen Löwen kommt sie zum Beispiel gar nicht nah genug ran, um ihm eine Spritze zu geben. Für solche Fälle hat Pia Krawinkel dann ein Blasrohr. "Da kommt eine fliegende Spritze raus, wie ein Pfeil", erklärt die Ärztin.

Manche Tiere müssen auch eine Narkose bekommen, wenn sie operiert werden. Wenn sie während der Operation wach würden, könnte es für Pia Krawinkel ganz schön gefährlich werden. "Ich habe keine Angst, aber Respekt", sagt sie.

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Beruf: Zootierärztin

Vor allem vor den Orang-Utans. "Die sind sehr gefährlich, kräftig und intelligent", sagt die Fachfrau. Während der Operation hält dem Orang-Utan deshalb immer ein Tierpfleger die Hand. Wenn die Hand zuckt, merkt man, dass der Menschenaffe wach wird. Und dann muss die Ärztin schnell handeln.

Hintergrund: Tiere zeigen nicht, dass sie krank sind

Wie erkennt man, dass ein Tier krank ist? Das ist manchmal gar nicht so einfach. Die Tierpfleger im Zoo müssen deshalb genau aufpassen. Denn Tiere zeigen meist nicht, dass sie krank sind.

"Das schützt sie in der Natur", sagt eine Zooexpertin. Sonst wären kranke Tiere eine leichte Beute. Es sind oft kleine Anzeichen, die die Tierpfleger aufmerksam machen - zum Beispiel wenn die Tiere nicht so fressen wie sonst.

Hintergrund: Neu im Zoo? Ab in die Quarantäne

"Es geht darum, dass sie keine Krankheit einschleppen und andere Tiere nicht anstecken", erklärt Expertin Sabine Haas vom Zoo in Gelsenkirchen. Es kann nämlich sogar sein, dass ein Tier erst ganz gesund wirkt, aber durch den Stress beim Transport eine Krankheit ausbricht.

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