Angst, Wut, Schock - Trauer hat viele Gesichter

Wenn etwas sehr Trauriges passiert, dann ist es normal zu weinen.

Immer tapfer sein - das geht gar nicht. Wenn etwas sehr Trauriges passiert, geht es uns gar nicht gut. Trauer ist normal, sagt Silke Haase. Zu ihr kommen Kinder und Erwachsene, wenn sie großen Kummer haben und allein nicht mehr weiterwissen. Sie erklärt, wozu Trauer gut ist.

Was ist Trauer? Ist das so wie Traurigsein?

Silke Haase: "Nein, Trauern ist schlimmer als Traurigsein. Es tut oft richtig weh und ist nicht so schnell vorbei. Bei Trauer geht es um einen großen Verlust. Wir verlieren etwas, das uns sehr wichtig ist. Das passiert zum Beispiel, wenn ein Mensch stirbt, den wir sehr liebhaben. Manchmal trauern wir auch, weil unser Haustier tot ist. Trauer ist so bedrückend, weil wir etwas nicht mehr ändern können."

Was fühlen wir denn da genau?

Silke Haase: "Da kommen ganz viele Gefühle auf einmal zusammen. Manchmal sind wir geschockt, weil wir das gar nicht fassen können. Trauer kann aber auch wütend machen, weil wir uns zum Beispiel alleingelassen fühlen. Sie kann auch Angst verursachen, weil wir noch nicht genau wissen, wie es weitergehen soll. Manchmal kriegen wir auch Bauchweh und Kopfweh und wir können uns gar nicht mehr gut konzentrieren."

Und wann hört das wieder auf?

Silke Haase: "Es dauert eine ganze Zeit, manchmal Wochen, manchmal Monate. Aber dann wird das Gefühl meist schwächer. Wir können uns wieder über Dinge freuen. Unser Leben geht weiter. Aber wenn ein wichtiger Mensch in unserem Leben gestorben ist, wird uns das trotzdem nie ganz egal sein. Wir erleben immer wieder mal Momente, in denen wir diesen Menschen vermissen."

Wozu ist Trauer denn gut?

Silke Haase: "Trauer ist wichtig, damit wir uns von jemandem oder etwas in Ruhe verabschieden können. Wir müssen Abstand gewinnen. Wir schaffen das nicht allein mit dem Verstand. Dafür sind auch unsere Gefühle da. Und das alles braucht einfach Zeit."

Der eine trauert so, der andere so

Einige fangen laut an zu weinen, andere ziehen sich zurück und wollen erst mal allein sein. Menschen trauern auf unterschiedliche Art. Aber egal wie - es gibt kein Richtig oder Falsch:

Manchen Leuten hilft es, mit ihrer Trauer klarzukommen, wenn sie sich ausdrücken. Das heißt: Manche malen ein Bild. Andere machen aus dem, was sie erlebt haben, eine Geschichte und erzählen sie sich immer wieder.

Menschen wollen oft vergessen, wenn sie trauern. Sie wollen aber nur das Traurigsein vergessen. Nicht aber den Menschen, den sie verloren haben. Es gibt viele Wege, ihn in Erinnerung zu behalten. Zum Beispiel kann man sich unter Freunden immer wieder die schönen Dinge erzählen, die man gemeinsam erlebt hat. So vergisst man ihn oder sie auch nicht. Oder man geht zum Grab und legt dort Blumen hin und erinnert sich dort.

Oft haben Eltern Angst davor, mit Kindern über Tod und Trauer zu sprechen. Sie scheuen sich, weil sie ihre Kinder beschützen wollen. Trotzdem sollte in Familien über traurige Dinge geredet werden. Denn das hilft, besser damit klarzukommen.

Schwarze Kleidung bei Beerdigungen

Schwarz ist in Deutschland auch die Farbe der Trauer. In anderen Ländern ist das anders. In Indien in Asien ist es zum Beispiel Weiß.

Die Farbe ist dabei aber gar nicht so wichtig. Sie ist nur ein Symbol. Die Menschen zeigen damit, dass sie trauern. Sie geben uns ein Zeichen, damit wir ein bisschen Rücksicht auf sie nehmen. Man muss aber bei einer Beerdigung keine schwarzen Sachen anziehen, wenn man das nicht will. Viele Menschen machen das heute nicht mehr. Sie sind dann aber trotzdem traurig.

Was tun bei Trauer?

Wenn du traurig bist, redest du am besten mit jemandem darüber. Das hilft, auch wenn du vielleicht gar nicht ganz genau beschreiben kannst, warum es dir schlecht geht.

Wenn du jemanden vermisst, hilft es manchmal auch, ein Bild von ihm aufzuhängen. Und du kannst auch mit einem Menschen oder Tier reden, das tot ist. Das ist nicht irgendwie komisch. Sondern das Reden hilft dir dabei, deine Gedanken zu sortieren.

Sehr gut klappt auch Ablenkung. Mach einfach etwas, das dir richtig Spaß bringt. Dann fühlst du dich vielleicht wieder besser.

Falls du nicht selbst traurig bist, sondern ein Freund oder jemand aus deiner Familie - dann kannst du versuchen, demjenigen zu helfen. Manchmal benehmen sich Trauernde ein bisschen merkwürdig. Sie sind richtig zickig und launisch. Und dann geben sie sich plötzlich wieder super übertrieben fröhlich. Nimm ihnen das nicht übel. Am besten fragst du: Kann ich dir helfen, damit es dir wieder bessergeht? Oder du hörst demjenigen einfach nur zu, wenn er über seinen Kummer spricht.

Weinen hilft

Wusstest du, dass Tränen bei Trauer kein Zeichen von Schwäche sind? Im Gegenteil, weinen tut uns dann richtig gut. Wenn wir das nicht machen, werden wir immer angespannter.

Die meisten Leute gucken uns auch nicht komisch an, weil wir weinen. Sie schauen so, weil sie sich hilflos fühlen. Sie wissen oft nicht, was los ist und wie sie uns trösten können.

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