SOS im Weltall: Was tun, wenn es keinen Arzt gibt?

An dieser Puppe können die Astronauten den Krankheitsfall üben. Dr. Julian Graf zeigt, wie das geht.

Ungefähr 520 Tage würde ein Flug zum Mars dauern. Wenn in dieser Zeit ein Astronaut krank wird oder sich verletzt, kann nicht mal schnell ein Arzt vorbeischauen.

Die Astronauten müssen sich also auch in Notfällen alleine versorgen können. Damit das klappt, haben sich Ärzte aus Mainz ein Spezialtraining für Astronauten ausgedacht. Sie haben auch die Crew ausgebildet, die gerade einen Flug zum Mars in Moskau nachspielt. Eineinhalb Jahre sollen die Männer in einer nachgebauten Raumfähre verbringen. Zu den Mainzer Ärzten gehört auch Julian Graf. Der 32- Jährige erklärt, was man für das Experiment - und für einen echten Flug zum Mars - so können muss.

Wa s haben Sie den Teilnehmern des Mars-Experiments beigebracht?

Julian Graf: "Wir bereiten die Leute auf echte Notfälle vor. Zum Beispiel haben die Teilnehmer der Mars-Mission von uns gelernt, wie sie jemanden beatmen, der keine Luft mehr bekommt. Wir haben ihnen auch gezeigt, wie man Medikamente richtig gibt - also wie man zum Beispiel eine Spritze setzt. Und sie haben gelernt, was man bei einem Herzstillstand macht. Dafür haben wir ihnen in unserem Training auch gezeigt, wie die Spezialgeräte funktionieren, mit denen man einen Menschen wiederbeleben kann."

Wie ist das Training genau abgelaufen?

Julian Graf: "Wir haben an einer speziellen Puppe geübt, die fast so aussieht wie ein echter Mensch. Die Puppe wurde auf den Boden gelegt oder auf einen Stuhl gesetzt und musste dann genauso behandelt werden wie ein echter Patient. Wir haben den Leuten natürlich erst ganz genau gezeigt und erklärt, was sie wann machen müssen, bevor sie dann selbst loslegten. Während der Mars-Mission sollen die Teilnehmer dann auch immer wieder mit der Puppe bestimmte Notsituationen üben, damit sie gut vorbereitet sind, falls wirklich einmal etwas passiert."

Ist es im Weltraum schwieriger, einen Patienten zu behandeln?

Julian Graf: "Was die Behandlung auf jeden Fall schwieriger macht, ist die Schwerelosigkeit. Wenn man einen Verletzten im Weltall behandeln will, muss man ihn zum Beispiel erstmal festschnallen - sonst fliegt der Verletzte in die eine Richtung und der Helfer in die andere. Beim Experiment in Moskau kann die Schwerelosigkeit zwar nicht nachgeahmt werden, aber wir haben mit den Teilnehmern trotzdem geübt, worauf sie besonders achten müssen, wenn sie in der Schwerelosigkeit einen Verletzten behandeln."

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