Wer Aids hat, braucht dringend Freunde

Der Arzt Christoph Königs arbeitet in der Immundefekt-Ambulanz der Uniklinik in Frankfurt am Main.

Christoph Königs kümmert sich um Kinder und Jugendliche, die das Aids-Virus im Körper haben. Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember hat er ein Interview gegeben.

Christoph Königs arbeitet in einem Spezialzentrum in Frankfurt am Main. Er ist ein ziemlich junger Arzt: 37 Jahre alt - und seine Patienten dürfen ihn duzen und sogar "Chris" nennen. Der Arzt erzählt, dass man keine Angst haben muss, sich bei seinen jungen Patienten anzustecken.

Chris, Aids und HIV - was ist das überhaupt?

Christoph Königs: "HIV ist ein Virus. Viren können uns krank machen. HIV ist ein ganz besonderes Virus, das unser Immunsystem - also die Körperpolizei - bekämpft. Wir sind dann schutzlos gegen viele andere Krankheiten und können sehr krank werden. Wenn das geschehen ist, dann sprechen wir von Aids."

Wie kann man die Krankheit bekommen?

Christoph Königs: "HIV kann zum Beispiel bei der Geburt oder beim Stillen von der Mutter auf ihr Kind übertragen werden. Oder auch wenn man mit jemandem Sex hat, ohne ein Kondom zu benutzen. Oder wenn man verseuchtes Blut gespendet bekommt - das passiert bei uns in Deutschland aber praktisch nie."

Wie weit sind Aids und das Virus verbreitet?

Christoph Königs: "In Deutschland sind zum Glück nur sehr wenige Kinder und Erwachsene betroffen. In Afrika oder Osteuropa ist das anders: Es gibt Länder, in denen ist jeder vierte Mensch mit HIV infiziert."

Wenn bei uns ein Kind infiziert ist, dann verrät es das meist nicht gern. Warum nicht?

Christoph Königs: "Vor allem viele Erwachsene haben Angst vor Menschen, die mit HIV infiziert sind. Sie denken zum Beispiel, dass man sich schnell anstecken könnte. Daher erzählen die Kinder selten, dass sie das Virus haben. Denn sie wollen nicht ausgeschlossen sein und weiter mit ihren Freunden spielen dürfen."

Muss ich denn gar keine Angst haben, mich dabei anzustecken?

Christoph Königs: "Nein, überhaupt nicht. Kinder, die mit HIV infiziert sind, nehmen Medikamente und können dann ganz normal in die Schule gehen und auch spielen. Und sie brauchen manchmal ihre Freundinnen und Freunde noch dringender als gesunde Kinder."

Aids - was ist das?

Die Krankheit Aids gibt es seit etwa 30 Jahren. Seitdem haben sich auf der ganzen Welt Millionen Menschen mit dem Erreger angesteckt. Viele sind auch gestorben.

Überall auf der Welt suchen kluge Leute fieberhaft nach einem Mittel gegen Aids. Bisher gibt es jedoch noch kein Medikament, mit dem die Betroffenen geheilt werden können.

Die Ursache von Aids ist ein Erreger, ein winziges Virus. Manche nennen es Aids-Virus. Andere sagen HI-Virus oder HIV. Man kann sich vor der Krankheit meist gut schützen. Das Virus ist zum Beispiel im Blut oder anderen Flüssigkeiten des Körpers. Man kann sich zum Beispiel dann anstecken, wenn man beim Sex kein Kondom benutzt.

David hat ein trauriges Geheimnis, er lebt mit HIV

Nur sehr wenige Kinder bei uns haben das Aids-Virus im Körper. Und wenn, dann erfahren andere Menschen selten etwas davon. Denn die Kinder reden meist nicht darüber.

Sie haben Angst, sonst ihre Freunde zu verlieren. So geht es auch David aus Gießen. David will gern Basketballprofi werden - oder Pilot. Er ist 15 Jahre alt und seine Freunde kennen ihn als ziemlich coolen Typen. Das ist er auch. Aber David hat ein Geheimnis, das ihn manchmal traurig macht: Er hat das HI-Virus im Körper. Das kann die Krankheit Aids auslösen.

David fühlt sich nicht krank, weil er täglich starke Tabletten nimmt. Er hat sich bei seiner Mutter angesteckt und die Krankheit seit der Geburt. Aber wieso verrät er seinen Freunden nichts davon?

"Es ist etwas, was sie niemals von mir gedacht hätten. Vielleicht würden sie dann etwas anderes von mir denken. Ich hab' Angst, dass alles anders wäre als vorher", sagt David. Er heißt eigentlich gar nicht David. Seinen richtigen Namen will er lieber nicht in der Zeitung oder im Internet lesen. Sonst könnten alle von seinem Geheimnis erfahren.

Wenn Leute das Wort "Aids" hören, stellen sie sich oft sehr kranke Menschen aus Afrika vor, wie man sie manchmal im Fernsehen sieht. Man kann die Krankheit nicht heilen und viele Leute sterben jedes Jahr daran - vor allem in ärmeren Ländern. Aber bei uns sehen die Kinder wegen der tollen Medikamente meist gar nicht krank aus, sondern wie jedes andere Kind, wie David.

In Deutschland gibt es nur wenige Kinder mit dem Virus: etwa 200 unter 15 Jahren. Fast alle halten es geheim und fühlen sich deshalb oft einsam, sagt Davids Arzt Christoph Königs. Es gibt kein Gesetz, dass die Eltern in der Schule Bescheid sagen müssen. Denn anstecken kann man sich so im Alltag nicht - vor allem nicht, wenn jemand seine Medikamente nimmt. Auch das erklärt Davids Arzt.

David wurde in Kenia in Afrika geboren. Dort sind viel mehr Menschen mit dem Virus infiziert. Als David vier Jahre alt war, zog er mit seiner Mutter nach Deutschland. Seitdem wird er hier toll behandelt. Einmal im Monat fährt er mit der Bahn nach Frankfurt zu einer Krankenhaus-Abteilung extra für Kinder mit HIV oder Aids. Doktor Christoph Königs kontrolliert dann Davids Blut und prüft, ob die Tabletten gut wirken. David nimmt die großen Pillen morgens und abends zusammen mit seiner Mutter. Fünf Stück pro Tag.

Der clevere Junge aus der zehnten Klasse kommt gut damit klar, dass er das Virus hat: "Es gehört einfach zu meinem Leben. Es ist nicht so, dass ich zu Hause sitze und rumheule", sagt er. Und die Medizin wird auch immer besser. Früher sind infizierte Menschen meist jung gestorben. Heute werden sie fast genauso alt wie andere Leute. (dpa)

Kommentare