Achtjährige Angelina reist zwei Jahre um die Welt

Angelina besucht auf ihrer Weltreise auch Schulen und den Unterricht - wie hier in Indien.

Indien, Argentinien, China - viele kennen diese Länder aus Filmen oder dem Internet. Angelina darf die Länder auf eine ganz andere Art entdecken: Sie reist mit ihrer Mutter zwei Jahre durch die Welt.

Und sammelt Botschaften von Kindern.

Jedes Mal, wenn die Achtjährige aufbricht, um die Welt zu entdecken, dürfen zwei Glücksbringer auf keinen Fall fehlen: eine Halskette und eine winzige Puppe. Nur das Wichtigste wandert außerdem in den Reiserucksack; das Mückennetz, Wäscheklammern zum Aufhängen und eine Taschenlampe. Denn es soll leicht sein - das Gepäck für Angelinas ganz großes Abenteuer.

Und so begann es: Es ist im Oktober 2009, als Sonja Thiele zusammen mit ihrer Tochter Angelina einen Plan schmiedet. Und der sieht aus wie ein riesiger Traum: "Zwei Jahre lang um die Erde reisen, zwölf Länder besuchen auf sechs Kontinenten: Gemeinsam wollen wir die Welt entdecken", sagt Sonja Thiele. Die damals siebenjährige Angelina ist sofort begeistert. Obwohl sie gern in die Schule geht auf Mallorca, wo sie damals wohnten.

Aber Kinder in Indien und Israel, in Argentinien und Australien kennenzulernen - das klingt aufregend. "Erfahrung mit verschiedenen Lebensweisen und Sprachen hat Angelina ja schon gesammelt", erzählt ihre Mutter. "Sie wurde in Hamburg geboren, wir haben auf der Insel Zypern gelebt, von der ihr Vater stammt, in den USA und dann auf Mallorca."

Doch dies ist etwas ganz anderes: Angelina will alle Erdteile erkunden, um zu erfahren, wie die Kinder dort leben. Was sie essen und anziehen. Worüber sie lachen und wovon sie träumen. Wovor sie sich fürchten und was sie ändern wollen in der Welt der Erwachsenen.

Und sie möchte, dass alle anderen Kinder der Welt das auch voneinander erfahren. "Kids discover the world" heißt das Projekt - übersetzt: Kinder entdecken die Welt. "Ich bin dabei die Botschafterin", sagt die Achtjährige selbstbewusst.

Wie das Projekt genau aussieht? "Wir gehen in Kindergärten und Schulen und erzählen erst mal, was wir machen. Oft melden wir uns gar nicht erst an, und die meisten Lehrer und Lehrerinnen sind sofort einverstanden", erzählt Angelina. Und dann werden Buntstifte und Farben verteilt. Jedes Kind bemalt eine kleine viereckige Leinwand mit seiner Herzensbotschaft an die Welt.

"Danach fotografieren wir die Augen der Kinder", sagt Sonja. "Und dann", erzählt Angelina weiter, "kann man einen Fragebogen ausfüllen." Die Antworten erzählen zum Beispiel, dass Eshita in Indien am allermeisten die Natur liebt, weil sie so schön grün ist und große Angst vor Giftschlangen hat. "Ich habe Angst vor Feuerwerk", schreibt Angelina in ihren eigenen Fragebogen.

Das Ganze ist ein Projekt von Kindern für Kinder, erklärt Angelina. Sie selbst hat das Logo dafür entworfen: Zwei grüne Kinderhände beschützen die Erdkugel. "Während unserer Reise sammeln wir alles, was wir in einem Land ganz besonders finden", sagt Angelina. "Zum Beispiel ein Essensrezept, ein Kinderspiel oder Musikinstrument. Am Ende der Reise wollen wir alles ausstellen." Die Bild-Botschaften und Fotos kann man dort auch bewundern.

Angelina und Sonja schreiben außerdem Tagebuch auf ihrer Internetseite. Dann wissen zum Beispiel die Kinder auf Mallorca, Zypern oder in Hamburg, wie die Leute in Indien leben. Und umgekehrt. "Und wenn alle Kinder Bescheid wissen, dass kein Kind Krieg will, dann können wir alle Waffen verbrennen." Das wünscht sich Angelina am meisten.

Und so gern sie auch auf Reisen geht - sie freut sich trotzdem auf ihre Schule auf Mallorca. Bis es soweit ist, lernt Angelina im Heimunterricht mit ihrer Mutter - und von den Menschen und Ländern, die sie noch besucht.

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