Abenteuer China: Zu Fuß durch das Riesenreich

Christoph Rehage hat ein großes Abenteuer hinter sich: Er ist etwa ein Jahr lang durch China in Asien gewandert.

Kein Bus, keine Bahn, kein Rad und schon gar kein eigenes Auto... Und dann auch noch ein Land, das fast so groß ist wie Europa. Christoph Rehage hat fast ganz China zu Fuß durchquert.

Wenn man Christoph Rehage nach seinem aufregendsten Erlebnis fragt, dann fällt sie ihm sofort ein: die Geschichte mit den Schneeleoparden. Der Student aus München war etwa ein Jahr lang in dem Riesenreich China in Asien unterwegs - zu Fuß! Damals war Christoph 26 Jahre alt. Die Tour ist schon eine Weile her. Doch an die Sache mit den Leoparden erinnert sich Christoph noch gut.

Sie ereignete sich im Liupan-Gebirge im Norden des Landes: Einen der Gipfel hat sich Christoph vorgenommen. Er marschiert auf die dunklen Nadelbäume zu, die immer dichter werden. Er folgt der Straße, die sich den Hang hinaufschlängelt - bis ihm langweilig wird. Er denkt sich: "Warum nicht abkürzen?".

Christoph geht von der Straße ab und landet auf einem Pfad. Jetzt ist der Aufstieg richtig steil und mühsam. Der weiche Boden rutscht ihm unter den Füßen weg. Eigentlich wollte Christoph nach einem Tag schon auf dem Gipfel sein. Doch am Abend ist er noch lange nicht dort. Als es dunkel wird, schlägt Christoph sein Zelt auf. Da sitzt er nun: allein auf einem Berg in China. Er guckt auf seinem Laptop mit Akku eine Serie, bis er einschläft.

Stimmen reißen Christoph am nächsten Morgen aus dem Schlaf. Müde streckt er den Kopf aus dem Zelt. Einige Bäuerinnen mit Kopftüchern schauen ihn schief an. "Was machst du da?", fragen sie. Sehr freundlich sind sie nicht. "Ich zelte", entgegnet Christoph. "Das geht nicht", sagen die Frauen. "Warum?", fragt Christoph genervt.

"Wegen der Baozi." Baozi? Christoph kennt unter diesem Namen nur ein chinesisches Gericht. "Meint ihr die Teigtaschen?" Die Bäuerinnen schütteln die Köpfe. "Was meint ihr dann?", fragt Christoph ratlos - bis eine Frau "Tiger" ruft. Da geht Christoph ein Licht auf. Baozi ist auch das chinesische Wort für Leopard. Auf dem Berg leben Schneeleoparden!

Christoph lacht. "Schneeleoparden können mich doch nicht von meinem Plan abbringen", denkt er. Er packt seine Sachen und stapft dem Gipfel entgegen. Er kämpft sich durch die Wildnis, bis er gar keinen Weg mehr erkennen kann. Hat er sich verlaufen? Was, wenn nun Schneeleoparden kommen? Da hört er das Plätschern eines Baches.

Christoph schöpft Mut. Er folgt dem Bach - der muss ja irgendwo entspringen. Ein Stein fällt Christoph vom Herzen, als er nach zwei Tagen endlich den Gipfel erreicht. Schon bald macht er sich wieder an den

Abstieg. Dieses Mal bleibt er auf dem Weg und ist schnell im Tal. Später erfährt er: Schneeleoparden sind sehr scheue und bedrohte Tiere. Sie würden normalerweise nie einen Menschen angreifen. Trotzdem nimmt sich Christoph vor: "Schluss mit Abkürzungen. Die sorgen doch nur für Chaos!".

Hintergrund: Was braucht man auf einer Wanderung?

Christoph Rehage hatte auf seinem Marsch durch China ganze acht Paar Socken parat. Das ist viel, wenn man sich dreimal überlegen muss, was man mitnimmt.

Denn man muss schließlich alles selbst schleppen. Auch Christoph war sonst eher sparsam: In seinem Rucksack steckten ein Laptop, zwei Schlafsäcke, Isomatte, Zelt, Navigationssystem, Medikamente, Mehrfachstecker, Aufladegeräte, Roman, Notizbuch und von jeder Klamotte etwa ein Stück - also eine Hose, ein T-Shirt, ein Pulli und so weiter.

Bis auf die Socken: Davon hatte er viel mehr. Denn auch wenn Christoph nach einer Weile mit seinem langen Bart und den dreckigen Schuhen ziemlich wild aussah - seine Socken wechselte er jeden Tag.

Auch ein Zelt musste Christoph mitschleppen, auch wenn er die Nächte auf seinem Fußmarsch durch China am liebsten unter freiem Himmel verbrachte. "Ich fand im Zelt schlafen immer doof", sagt Christoph. Im Freien konnte er die Sterne betrachten und war der Natur näher. Doch das ging natürlich nicht immer. "Im Zelt fühlt man sich geschützter", sagt Christoph. Einmal schlief er auch im Büro eines Bergwerks, öfters bei Leuten zu Hause und manchmal in einer Herberge.

Seine Ausrüstung samt Zelt und Socken wog zusammen etwa 27 Kilo. So viel wiegt manches Kind. Zwischendrin ließ sich Christoph auch mal eine Karre bauen. Damit konnte er sein Gepäck hinter sich herziehen. "Ich habe meine Karre geliebt. Ich bin mit ihr viel schneller und bequemer vorangekommen."

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