Landwirtschaft im Kreis: Marktlücke erkannt und genutzt

Nick Schneider pflanzt auf seinen Feldern bei Wippershain Frühkartoffeln an

Früh dran: Mitte März hat Nick Schneider diese Frühkartoffeln gesetzt, die dank einer Folienabdeckung bereits kräftig ausgetrieben haben. Dieser Tage werden auch die Einkellerungs-Kartoffeln ausgepflanzt. Foto: Eisenberg

Wippershain. Obwohl die Temperaturen in den vergangenen Wochen eher kalt waren, ragt auf Nick Schneiders Kartoffelfeldern bereits kräftig-grünes Kraut aus der Erde. Eine Folien- beziehungsweise Vliesabdeckung sorgt dafür, dass die am 18. März in die Erde gesetzten Knollen austreiben. Ende April oder Anfang Mai – je nach Wetter – pflanzt Schneider auch die Einkellerungskartoffeln aus. Aus dem Schüttbunker einer am Traktor montierten Kartoffelsetzmaschine laufen sie über ein Förderband in die Ackerfurchen. Tellerförmige Schare türmen die Erde darüber zu zwei parallelen Dämmen auf.

Deutlich empfindlicher sind da die Frühkartoffeln, die vor dem Auspflanzen vorgekeimt wurden. Damit die empfindlichen Triebe nicht abbrechen, werden sie von Hand auf das Förderband gelegt werden.

Im Landkreis gibt es nur etwa eine handvoll Betriebe, die Kartoffeln über den Eigenbedarf hinaus anbauen. „Die Kunden waren schuld“, erklärt Nick Schneider, warum er sich darauf spezialisiert hat. Dabei hatten seine Schwiegereltern die Landwirtschaft längst aufgegeben. Der 38-Jährige selbst arbeitet hauptberuflich im Rettungsdienst, die Landwirtschaft sei da ein schöner Ausgleich. Weil früher schon auf dem Hof auch einige Reihen Kartoffeln angebaut wurden, hätten immer wieder Kunden danach gefragt. Schneider erkannte eine Marktlücke. Auf sechs Hektar Land baut Schneider gemeinsam mit seiner Frau und den Schwiegereltern im Nebenerwerb Kartoffeln und Gemüse an.

Seine Flächen reichen allerdings nicht aus, um die für Kartoffeln notwendige Fruchtfolge von vier bis fünf Jahren einhalten zu können. Deshalb hat Schneider seine Felder an einen örtlichen Landwirt abgegeben. Der stellt ihm im Gegenzug geeignete Flächen an jährlich wechselnden Standorten zur Verfügung. So werde nicht nur der Krankheitsdruck auf die Pflanzen gesenkt, sondern die Felder auch organisch mit Rindermist gedüngt. Mit einem gewissen Sandanteil seien die Wippershainer Böden durchaus geeignet für den Kartoffelanbau – allerdings sehr steinig. Mit einer Steinsammel-Maschine siebt Schneider deshalb vor dem Setzen der Kartoffeln die Erde durch. Das sei zwar sehr zeit- und kostenintensiv, beuge aber Beschädigungen an den Maschinen vor und minimiere den Sortieraufwand bei der Ernte. Auf das früher übliche Nachhäufeln verzichtet Schneider. Zu groß wäre die Gefahr, dass die Knollen auf den hängigen Feldern an den Rand der Erddämme gedrückt und dadurch grün werden.

Dennoch ist der Kartoffelanbau sehr aufwändig – zumal die Familie die Knollen selbst für den Verkauf abpackt. Frühkartoffeln, etwa elf Sorten Einkellerungskartoffeln und weitere Produkte verkauft Nick Schneider überwiegend im eigenen Hofladen sowie in einem Selbstbedienungs-Kartoffelhäuschen in der Hofeinfahrt. Mit der Ernte der ersten Frühkartoffeln rechnet der Landwirt für die erste Juniwoche. Im Herbst sind dann auch die Einkellerungssorten an der Reihe.

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