240 Bullen leben auf Stroh

Junglandwirte aus Wüstfeld haben einen modernen Maststall in Betrieb genommen

Familienbetrieb: Marcel Bock und Nadine Reinhardt (vorne) sowie Marlene und Karl Reinhardt im neuen Bullenmaststall, der Platz für insgesamt 240 Tiere bietet. Fotos: Eisenberg

Wüstfeld. Für die Zukunft haben Nadine Reinhardt und Marcel Bock buchstäblich auf die Bullenmast gebaut.

Ein neuer Stall für 240 Mastbullen am Ortsrand des Schenklengsfelder Ortsteils Wüstfeld soll den Lebensunterhalt der Junglandwirte und den Fortbestand des Familienbetriebes sichern. Im Jahr 2006 hatten Karl und Marlene Reinhardt die Haltung ihrer Milchkühe aufgegeben. Bullenmast und Ackerbau bildeten seither die Schwerpunkte des Betriebes. Tochter Nadine hat in Gießen Landwirtschaft studiert. Die 24-Jährige zeigte Interesse, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Ihr Lebenspartner Marcel Bock betreute vor dem Schritt in die Selbständigkeit als angestellter Mechaniker eines anderen Landwirts zwei Biogasanlagen. Der alte Hof in der Ortsmitte sei mit 100 Mastbullen allerdings zu klein, um zwei Generationen das Auskommen zu sichern, erklärt Marlene Reinhardt. Deshalb hat die Familie kräftig investiert, das zuvor gepachtete Grundstück am Ortsrand erworben und im vergangenen Jahr den 65 mal 24,5 Meter großen Bullenstall nebst Stall für 40 Kälber, Strohlager und Biogasanlage errichtet. Im November trafen die ersten Tiere ein. Im Alter von vier bis sechs Wochen beziehen die Landwirte jeweils 40 Jungbullen der Rasse Fleckvieh von einem Kälbermarkt in Bayern. Sie leben zunächst im halboffenen Laufstall mit Stroheinstreu.

Mittels Transponder am Halsband bekommen die Tiere am Milchautomaten ihre Futterrationen. Auch im eigentlichen Maststall stehen die Bullen in zwölf 20er-Gruppen auf Stroh. Die einzelnen Abteile des sogenannten Tretmiststalls sind in zwei Bereiche gegliedert: Die erhöhten Liegeflächen haben eine leichte Neigung. Durch die Bewegung der Tiere wird der Mist in den tiefer gelegenen Mistgang getreten. Ein Frontlader schiebt ihn von dort täglich aus dem Stall. Trenngitter halten die Bullen während dieser Zeit auf den Liegeflächen. Ebenfalls täglich wird vom Futtergang in der Mitte des Stalls mit einem Gebläse Stroh nachgestreut. Zusammen mit der Gülle vom alten Hof bildet der Mist die Grundlage für die Stromproduktion in der angegliederten Biogasanlage. Der Generator habe eine Leistung von 75 Kilowatt, der erzeugte Strom werde ins Netz eingespeist, berichtet der 26-jährige Marcel Bock.

Bei der Planung des Stalls sei mit Raum, Licht und Luft besonderes Augenmerk auf das Tierwohl gelegt worden, betont die Landwirtsfamilie. Mindestens 4,5 Quadratmeter Fläche stehen jedem der insgesamt 240 Mastbullen zur Verfügung. In den ersten Monaten habe sich bereits gezeigt, dass die Tiere im neuen Stall besser gedeihen. Im Alter von 16 bis 17 Monaten sind die Bullen schlachtreif und werden vom Viehhändler abgeholt.

Dass die Tiere nicht auf Spaltenböden leben, sorgt für einen großen Strohbedarf: Etwa 1500 Rund- und Quaderballen Futter- und Einstreu-stroh werden jährlich benötigt.

Tag der offenen Tür am Sonntag

Bei einem Tag der offenen Tür am kommenden Sonntag, 28. August, möchte die Familie Reinhardt/Bock ihren neuen Bullenmaststall mit Biogasanlage der Öffentlichkeit vorstellen. Von 11 bis 17 Uhr steht die Anlage für Besucher offen. Dazu gibt es Speisen vom Grill, Kaffee und Kuchen sowie kalte Getränke. (jce)

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