Lina und Robert Blum feiern heute in Wippershain das seltene Fest der Eisernen Hochzeit – Beim Pfingsttanz hat es gefunkt

Aufeinander Rücksicht genommen

Haben vor 65 Jahren in Bad Hersfeld geheiratet und eisern zusammengehalten: Lina und Robert Blum feiern heute in Wippershain das seltene Fest der Eisernen Hochzeit. Foto: Apel

Wippershain. Vor 67 Jahren hat es beim Pfingsttanz in Sieglos gefunkt. Vor 65 Jahren haben sich Robert und Lina Blum geborene Sieling in der Bad Hersfelder Stadtkirche das Ja-Wort gegeben, und heute feiern die beiden 83-jährigen Wippershainer das seltene Fest der Eisernen Hochzeit.

Jung gefreit, hat nie gereut – an dem nicht mehr zeitgemäß erscheinenden Sprichwort scheint einiges dran zu sein, wenn man den ehemaligen Rotenseer und leidenschaftlichen Fußballer und die zeit ihres Lebens im zweitgrößten Schenklengsfelder Ortsteil wohnende Jubilarin erzählen hört: Wie sie sich anfangs nur sonntags auf dem Sportplatz gesehen haben, wie sie mit dem Heiraten warten mussten, bis Robert 18 Jahre alt war, und wie sie dann die Genehmigung des Amtsgerichts erhielten.

Bier ausgeliefert

Robert war am 24. April 1933 als jüngstes Kind der Eheleute Philipp und Maria Blum geborene Ellenberger auf die Welt gekommen. Sein Vater war für die Brauerei Engelhardt tätig und hat viele Jahre lang mit der Pferdekutsche Bier ausgeliefert. Seine Mutter hat für acht Kinder gesorgt. Sie starb, als Robert elf Jahre alt war und noch zur Volksschule ging. An deren Ende stand seine Ausbildung zum Schneider, die er zum einen in Unterhaun bei dem kriegsbedingt aus Essen evakuierten Lehrherrn Wilhelm Schäfer und zum anderen bei dem legendären Bad Hersfelder Schneider-, Schul- und Feuermeister Hans Post absolvierte. Nach dem Tod von Schäfer wechselte er zur Tuchweberei Wittich, 1954 zum Kaliwerk Hattorf und 1968 zu den Farbwerken Höchst. Von 1974 bis 1991 arbeitete er dann noch bei der Stadt Bad Hersfeld im Bereich Straßen- und Sportplatzunterhaltung.

Lina war am 4. September 1932 als zweites von vier Kindern der Eheleute Heinrich und Martha Sieling geborene Schott geboren worden. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete sie zunächst in der Landwirtschaft, danach als Handschuhmacherin bei der in Wippershain neu aufgebauten Flüchtlingsfirma Ströer und schließlich im Pflanzwald.

Schon kurz nach ihrer Hochzeit wurde Robert und Lina, die zunächst bei Linas Eltern wohnten, Tochter Edeltraud geschenkt. Es folgten Heidrun und Elvira, so dass das Dreimädel-Haus 1960 komplett war. Lina versorgte Mann, Kinder und den Haushalt ihrer Eltern, und half auch dabei mit, dass 1962 ein mit viel Eigenleistung errichtetes Eigenheim bezogen werden konnte.

Für Urlaub und Freizeit nahmen sich die „Eisernen“ wenig Zeit. Robert engagierte sich beim SV Rotensee/Wippershain als Jugendbetreuer, Hauptkassierer, Vorsitzender und Platzwart, war bei der Feuerwehr und über 63 Jahre lang beim Männergesangverein aktiv, machte als Mitglied des Ortsbeirats und der Gemeindevertretung Politik und setzte sich darüber hinaus als Personalratsmitglied für seine Kollegen ein. 2006 wurde er dafür mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. Linas „Hobbys“ waren der Garten und der Frauenchor.

Nach dem Rezept für eine lange und glückliche Ehe befragt, erklärt der trotz Gehbehinderung stets positiv denkende Bräutigam, dass man wissen muss, was man will, und dass man immer aufeinander Rücksicht nehmen muss. Mit dem Jubelpaar freuen sich heute die drei Töchter und Schwiegersöhne, sieben Enkel und fünf Urenkel.

Von Wilfried Apel

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