„Burgwächter“ kurbeln die 4,1-Tonnen-Brücke auf der Wartburg nur mit Muskelkraft

Zugbrücke als Zugpferd

Teamarbeit an Kurbel und Kette: Konstrukteur Josef Trabert, Oliver Bach, Jörg Reinhardt, Christopher Heinze, Jens Kalbitz und Hans Eiche (von links) zogen die 4,1 Tonnen schwere Zugbrücke in die Höhe. Fotos: Ludger Konopka

EISENACH. Das Weltkulturerbe Wartburg hat eine neue Attraktion. Beim Probehub der rekonstruierten 4,1 Tonnen schweren Zugbrücke kamen die „Burgwächter“ Dr. Josef Trabert (Konstrukteur), Oliver Bach, Jörg Reinhardt, Christopher Heinze, Jens Kalbitz und Hans Eiche ganz schön ins Schwitzen. „Uff“, klang es aus den Kehlen. Mit vor Anstrengung roten Köpfen hievten die gestandenen Mannsbilder das Eichenholz-Bauwerk in die Höhe. Nur mit Muskelkraft, ohne Elektro-Hilfsmotor oder Hydraulik.

Keine Vergleichsobjekte

Für die Neukonstruktion und statischen Berechnungen gab es keine adäquaten Vergleichsobjekte. So diente lediglich ein altes Foto um 1900 mit teilweise hochgezogener Brücke als Vorlage. Gestaltung, Material und Dimensionierung des Bauwerks sollten sich dabei am historischen Bestand orientieren, wobei heutige Nutzungs- und Sicherheitsanforderungen zu erfüllen waren.

Burghauptmann Günter Schuchardt: „Es war zunächst nicht geplant, dass die neue Zugbrücke auch funktionsfähig ist.“ Verschleiß und Witterung hatten die vorhandene starre Holzkonstruktion so extrem geschädigt, dass eine grundhafte Sanierung der gesamten Konstruktion dringend erforderlich war. So entstand die Idee einer funktionsfähigen Zugbrücke. Dazu musste auch die zwei Konsolsteine, in denen die Brücke gelagert ist, mit jeweils 1,5 Tonnen Gewicht erneuert werden.

Beim ersten Praxistest zeigte sich, dass nur zwei Männer die schwere Brücke nicht zu heben vermochten. Vier Mann drehten jetzt an der speziell gefertigten großen Kurbel, was das Zeug hielt. Zwei weitere sicherten die Ketten. Hinauf und hinunter ging es nur Zentimeter um Zentimeter, da die zwei grobgliedrigen Ketten möglichst gleichmäßig auf Zug gehalten werden müssen. Das dauert. „Schwerer wurde die Brücke, weil das stählerne Gegengewicht auf der Burgseite noch einmal auf 1,2 Tonnen aufgestockt werden musste“, erklärt Ingenieur Trabert. Eine Schwierigkeit sei gewesen, die Brücke auszubalancieren. So soll das Gegengewicht zwar das Anheben erleichtern, es darf die Brücke beim Lastwechsel aber nicht gegen die Mauer schlagen lassen. Allerdings sei die neue Zugbrücke für höhere Lasten ausgelegt, als es ihre Vorgängerin im Mittelalter wahrscheinlich war. Insgesamt dürfen bis zu drei Tonnen darüber rollen, mehr nur auf Anfrage in Ausnahmefällen.

Ist die Zugbrücke heruntergelassen, wird sie in horizontaler Lage mit zwei dicken Schrauben gesichert. Schließlich soll sie sich nicht unfreiwillig heben. Bauhütten-Chefin Annette Felsberg war beim Probehub zufrieden: „Für die Wartburg geht ein baustellenreiches Jahr zu Ende.“

125 000 Euro-Projekt

Das spannendste Projekt sei die Erneuerung der Zugbrücke gewesen. 125 000 Euro hat es gekostet. Zum traditionellen Weihnachtsmarkt an den Adventwochenenden sollen alle Gerüste verschwunden sein. Angesichts der funktionierenden neuen Zugbrücke meinte Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf eher scherzhaft: „Jetzt müsste man wie Luther ein Papier mit 95 Thesen zur gerechteren Finanzausstattung der Kommunen an die geschlossene Brücke nageln.“

Hoffentlich muss Frau Wolf deshalb nicht inkognito als „Junkerin Katja“ auf der Burg bleiben.

Von Ludger Konopka

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