Aufführung des Bad Hersfelder Weihnachtsspiels fand in drei Kirchen statt

Auf Zeitreise in der Kirche

Die Heiligen Drei Könige knien in der evangelischen Kirche von Buchenau anbetend vor der Krippe, umgeben von sieben Hirtenbuben und den Lobpreis Gottes singenden Engeln. Foto: nh

Mansbach. „Freu dich, Erd und Sternenzelt, Halleluja. Gottes Sohn kam in die Welt, Halleluja“, sangen im Wechsel von forte und piano vierzehn kleine und große Engel, unter ihnen die drei Verkündigungsengel (Maike Althoff, Anna Löbens, Felicia Ries). Feierlich zogen sie in die Mansbacher Kirche ein, gefolgt von Maria und Josef (Eva Savci-Janssen, Bad Hersfeld und Uwe Eichardt, Obersuhl), den sieben Hirtenjungen, dem hartherzigen Wirt (Horst Müller, Bebra), dem forschen Fremdling (Birgit Küllmar, Marburg) und den drei prächtig gekleideten Heiligen Königen (Georg Rupprecht, Omar Garrido Mendoza, Michael Brossart).

„Es begab sich aber zu jener Zeit...“, begann schwungvoll Pfarrer Harald Krüger die Liturgie der christlichen Weihnachtsgeschichte vorzutragen. In langen, weißen Gewändern umringten die Engel die Krippe mit der dicken brennenden Lichterkerze, an der sie ihre eigene Kerze in langem Zug entzündeten. Und sie sangen altvertraute Advents- und Weihnachtslieder, gemeinsam mit der Gemeinde, die dicht gedrängt den Kirchenraum füllte, überwölbt von der zart mit musizierenden Engeln ausgemalten barocken blauen Kirchendecke.

Der Stern von Bethlehem leuchtete über dem nachgespielten Geschehen, das die alte christliche Mysterien-Tradition wiederaufnahm, kleinen und großen Kindern in Sprache und Liedern die Geschichte der Herbergssuche von Josef und Maria zu erzählen, die Suche der Hirten nach dem Stern über Bethlehem, die Anbetung der Drei Heiligen Könige des neugeborenen Christuskindes.

Häuser gut gefüllt

Gut gefüllt war nicht nur die evangelische Kirche Mansbachs, sondern auch am Vortag das Hersfelder Bach-Haus und abends die Buchenauer evangelische Kirche. Immer wieder sangen die Besucher aus vollem Halse mit oder hörten andächtig zu: Dem Gesang der Kinderchöre, den Engeln und Hirten und den Solo-Sängern. Alle sangen frei und hochkonzentriert. Susann-Annette Ries soufflierte den Kindern wortmalerisch und Cornelia Rohlender dirigierte unauffällig am Rande. Herausragend war die große schöne Sopranstimme von Eva Savci- Janssen, tief berührend in der Rolle der Maria unter langem, hellblauem Schal. Eva Savci ja in diesem Jahr zum ersten Mal mit Cornelia Rohlender (Haunetal) die Hersfelder Kinder instruiert. Angeleitet wurde sie dabei von dem musikalischen Leiter, Prof. Siegfried Heinrich, der nun einfühlsam auf kleiner Orgel und Cembalo begleitete gemeinsam mit dem Instrumental-Ensemble und Rainer Lehn (Orgel).

Einst dreistimmig

Wieder steht Weihnachten vor der Tür. Das Hersfelder Weihnachtsspiel wurde 1961 erstmals aufgeführt von Christa Heinrich. „Damals noch dreistimmig!“, erzählt sie lächelnd. Auch diesmal, wie in jedem Jahr seitdem, war sie in den Aufführungen im Bach-Haus und in den schönen alten Kirchen von Buchenau und Mansbach aktiv dabei. Ihre natürliche Autorität und freundliche starke Ausstrahlung wirkte ohne viele Worte beruhigend und disziplinierend auf die soeben noch wirbeligen Kinder. In diesem Dezember wird Christa Heinrich achtzig Jahre alt. Ihr Hersfelder Weihnachtsspiel stimmte viele Menschen innerlich auf Besinnlichkeit ein. Es entführte für eine Stunde in die Welt vor mehr als zweitausend Jahren. (red/rey)

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