Der Gesundheit wegen – Gastwirt-Ehepaar macht nach 36 Jahren Schluss

Der Zapfhahn ist zu

Ein letztes Mal: Gestern Vormittag standen Gisela und Karl-Heinz Roßbach aus Landershausen noch einmal hinter dem Tresen der Ringbergschänke, die sie 36 Jahre bewirtschafteten. Für den unermüdlichen Einsatz dankten ihnen hinten von rechts Ortsvorsteher Klaus-Otto Reinhard, Bürgermeister Stefan Gensler, der gemeindliche Liegenschaftsverwalter Matthias Volkenand und Frank Winkels vom Landershäuser Feuerwehrverein. Foto: Reymond

Landershausen. Die Ringbergschänke im Dorfgemeinschaftshaus in Landershausen ist seit dem 30. September geschlossen. Wieder eine urige Kneipe weniger in der Region.

In der Großgemeinde Schenklengsfeld gibt es in den kleineren Ortsteilen nun überhaupt keine Gastronomie mehr. Lediglich im Kernort Schenklengsfeld und im größten Ortsteil Wippershain sind noch Gasthäuser oder ähnliche Einrichtungen zu finden.

Schmerzlich vermisst

„Die Bürger haben die Gaststätten im Ort wohl zu oft als selbstverständlich angesehen. Erst wenn sie einmal nicht mehr da sind, werden sie schmerzlich vermisst“, stellt Bürgermeister Stefan Gensler gestern bei der Verabschiedung der einstigen Gastwirte Gisela und Karl-Heinz Roßbach fest.

Gerne weitergemacht

„Ich hätte gerne noch ein paar Jahre weitergemacht“, sagt der 76 Jahre alte Karl-Heinz Roßbach mit Tränen in den Augen. Doch zwei gesundheitliche Rückschläge kurz hintereinander machten für ihn die weitere Arbeit hinter dem Tresen unmöglich. Aus diesem Grund musste das Ehepaar Ende September aufgeben. Nach mehr als 36 Jahren.

Bereits vom 15. Juli bis zum 31. Dezember 1972 hatten die Roßbachs die Kneipe in dem am 8. Juli 1972 eingeweihten Dorfgemeinschaftshaus geführt. Doch schon einmal sorgte eine Erkrankung, diesmal von Gisela dafür, dass die beiden nach nur einem halben Jahr wieder aufhören mussten. Nachdem zwischenzeitlich zwei andere Pächter die kleine Gastwirtschaft betrieben hatten, stiegen am 1. April 1977 die Roßbachs wieder ein und setzten die Kneipen-Tradition in dem kleinen Örtchen mit seinen heute knapp 200 Einwohnern fort.

„Mir hat es all die Jahre Spaß gemacht, auch wenn es hin und wieder anstrengend war“, erzählt Karl-Heinz Roßbach. Denn neben seiner Tätigkeit in der Ringbergschänke hatte der 76-Jährige auch noch einen richtigen Beruf. Für die Hersfelder Kreisbahn fuhr er Bus und Bahn. „Oft bin ich erst um ein Uhr nachts ins Bett gekommen und musste um drei Uhr wieder aufstehen, um an die Arbeit zu fahren. Das war schon eine enorme Belastung“, verdeutlicht er. Eine Belastung, die er all die Jahre aber gerne auf sich genommen hat.

„Vermissen werden die einstigen Besucher der kleinen Gastwirtschaft das über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Schlachtekohl- sowie das Spargel-Essen“, wie es Ortsvorsteher Klaus-Otto Reinhard formulierte.

Suche nach Pächter

Ob die Ringbergschänke in Landershausen noch einmal unter neuer Führung öffnen wird, ist mehr als ungewiss. „Wir suchen einen Nachpächter. Doch gefunden haben wir noch niemanden“, erklärt der Bürgermeister. Auch er geht nach dem derzeitigen Stand der Dinge davon aus, dass es in Landershausen, nach vielen Jahrzehnten, künftig keine Kneipe mehr geben wird.

Von Mario Reymond

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