Das Schulmuseum Mosa gibt Einblick in den Unterrichtsalltag vor 100 Jahren

Auf Wunsch gibt es Hiebe

Im edlen Frack präsentiert sich Burkhardt Friedrich seinen Gästen als Lehrer aus dem vergangenen Jahrhundert. Foto: Heiko Matz

Unterbreizbach. In der kleinen Hofgemeinde Mosa, die zu Unterbreizbach gehört, gibt es ein kleines Schulmuseum, das bei älteren Besuchern Kindheitserinnerungen weckt. Junge Leute erfahren auf unterhaltsame Weise, wie Unterricht lange vor ihrer Zeit ablief.

1993 haben Burkhardt und Birgitt Friedrich die alte Schule in Mosa als Wohnhaus gekauft. Von 1908 bis 1968 waren hier die Kinder aus den Nachbarorten unterrichtet worden. Auf die Frage, wann sie sich entschieden haben, ein Schulmuseum einzurichten, antwortet Burkhardt Friedrich lachend: „Wir sind vergewaltigt worden.“ Ein Bekannter aus Baden-Württemberg habe immer gesagt: „Du hast eine Schule, also musst du auch Schulbänke haben“. „Ich habe immer ‚ja, ja’ gesagt und gedacht ‚lass mich in Ruhe’“, erzählt Burkhardt Friedrich. Irgendwann sei der ältere Herr vorgefahren und habe alte Schulbänke mitgebracht. Nach und nach seien dann mehr alte Schulutensilien hinzugekommen: Rechenschieber, Schiefertafeln mit Griffeln, alte Ranzen, hölzerne Federkästen mit Schiebedeckel, Federhalter, Tintenfässchen. 2004, am Tag des Denkmals, sei das Museum dann offiziell eröffnet worden.

Rohrstock stets zur Hand

Für seine Gäste verwandelt sich Burkhardt Friedrich in einen Lehrer, hält eine Unterrichtsstunde im Frack und mit Melone ab. Diese beginne mit „Hände an die Hosennaht, gerade stehen!“. Für Gymnasiasten und ältere Besucher sei dies eher eine Belustigung. „Aber für die kleinen Kinder ist es schon ein Erlebnis, wenn es so streng zugeht.“ Auch den Rohrstock hat der 62-Jährige stets zur Hand. „Es gibt immer ein paar mutige Kinder – mehr Mädchen als Jungs – , die mal wissen wollen, wie sich das so anfühlt, der Stock auf dem Hintern. Wenn es verlangt wird, wird’s auch gemacht“, sagt er lachend. Schön für die Besucher ist, dass sie alles ausprobieren dürfen. „Berühren verboten“ gilt in diesem Museum nicht. Kleinere Kinder beispielsweise seien immer ganz begeistert davon, mit Griffel und Schiefertafel zu schreiben. „Und wenn es dann an Federhalter und Tinte geht, wollen sie gar nicht mehr heim, weil es sie so fasziniert, damit zu schreiben“, berichtet Burkhard Friedrich. Das Mobiliar aus dem Museum wird auch gerne für Feste in anderen Orten ausgeliehen. Zur 700-Jahrfeier in Oberlengsfeld im Mai etwa war der „Lehrer“ Burkhardt Friedrich als Attraktion für Kinder zugegen, samt seiner Schulbänke.

Feste Öffnungszeiten gibt es für das Schulmuseum nicht. Wer kommen möchte, sollte vorher einen Termin mit Burkhardt Friedrich unter 0171/2164721 vereinbaren. Auf sein Programm, das auch Aufgaben beinhaltet, bereitet der Betreiber sich immer intensiv vor und passt es dem Alter der Besuchergruppen an. Der Eintritt ins Museum ist frei.

Von Beate Funk

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