Zahlreiche Produkte unseres täglichen Lebens werden mit Kali aus dem K+S Werk Werra hergestellt

Wofür das Salz in den Fluss muss

Fertig: Eva Schmitt, Chemikerin in der Produktion hochreiner Salze, zeigt eine Probe, die im K+S-eigenen Labor untersucht wird.

Heringen. An den Härchen hat sich ein feinstaubiger, weißer Schleier abgesetzt. Die Spuren auf den Augenbrauen weisen auf das hin, was Jens Döring tut. Tief unter der Erde bewegen er und die anderen Kumpel tonnenschwere Maschinen. Sie wirbeln salzigen Staub auf, der wie Novembernebel in den Sohlen steht.

Es ist das weiße Gold, das 4400 Menschen Arbeit im Werk Werra der K+S Kali GmbH gibt. Mit winzigen Teilen des feinen Salzes wäscht sich Jens Döring am Ende seiner Schicht in der Dusche. Kali ist das weiße Gold, das in vielen Dingen steckt, die unser tägliches Leben bestimmen. Nicht nur in Düngemitteln für die Landwirtschaft, sondern zum Beispiel in Kosmetika, also auch Seife, Babynahrung und Medikamenten. Fast jede Tablette enthält Kali.

Doch große Teile von dem Rohstoff, der aus den Gruben geholt wird, landen in der Werra. Die Kumpel wissen, dass das flussabwärts für viel Unmut sorgt. Trotz all des Goldes, das im Revier zwischen Werra und Fulda noch 42 Jahre lang reichen soll, ist niemand im Rausch.

Jens Döring ist das, was man wohl unter einem typischen Kumpel versteht. Obwohl er erst 38 Jahre alt ist, arbeitet er schon seit 23 Jahren im Werk Werra, sagt er. „Und hier gehe ich auch in Rente – hoffentlich.” Viele sind seit Jahrzehnten dabei, ihre Väter haben schon Kali abgebaut.

Anker sichern das Bergwerk

Dörings Job sind die Anker. Neben ihm steht ein tonnenschweres Ungetüm, an dessen Ende ein großer, metallischer Arm hin und her gleitet. Kreischend bahnt sich eine Bohrstange an diesem Arm ihren Weg in die Decke, die bei Bergleuten Firste heißt. Der weiße Staub aus dem etwa zwei-Finger-breiten Bohrloch wabert durch das Licht der Scheinwerfer. Nachdem der Bohrer seine Arbeit verrichtet hat, sorgt Jens Döring mit dem Joystick dafür, dass ein Anker, eine 1,25 Meter lange und recht unscheinbare Eisenstange mit einer großen Mutter, in der Decke verschwindet.

Wenn alle zwei Meter ein Anker in der Firste sitzt, werden die Gesteinsschichten darüber zusammengehalten. Die Anker sorgen dafür, dass die Kumpel weiter in den Berg vordringen können, ohne dass über ihnen die Sohle einzustürzen droht. In die Tiefe zu bohren lohnt sich nicht, die Kali-Schicht erstreckt sich zwar über mehrere Quadratkilometer, ist aber nur etwa zwei Meter hoch.

Wo Döring die Firste gesichert hat, wird gesprengt. Dann kommen Fahrzeuge mit großen Schaufeln, die zwölf Tonnen auf einmal fassen, und kippen das Kali-Salz auf Bänder, die es nach oben fördern.

Von Claas Michaelis

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