Friedewald im Blick: Professor aus Gießen möchte die Landflucht stoppen

„Wissen muss in die Füße“

Zukunftsprojekt: Professor Walter George, links, von der Gesellschaft für Technologietransfer (Transmit) möchte die Gemeinde Friedewald für Existenzgründer und junge Familien interessant machen. Claudia Thoms von der Gemeindeverwaltung fungiert dabei als seine Ansprechpartnerin und Verbindungsfrau zur Bevölkerung. Bürgermeister Dirk Noll, 2. von rechts, und Beigeordneter Gerhard Stephan werden den Zukunfts-Fachmann ebenfalls tatkräftig unterstützen. Foto: Reymond

Friedewald. Ländliche Gemeinden fit für die Zukunft machen, das möchte Professor Wolfgang George, Leiter des Gießener-Transmit-Zentrums für Versorgungsforschung und Beratung. Eine der Kommunen, die er dabei hessenweit untersucht, ist die Dreienberggemeinde Friedewald.

Ziel des Professors ist es, Existenzgründungen im ländlichen Raum anzuschieben. „Wenn wir Arbeit in die Käffer kriegen, dann läuft es. Das wird schwierig, denn auch in Bad Hersfeld ist eigentlich nix los“, sagt der Professor.

Dabei will er natürlich die Menschen vor Ort einbinden. Und daher standen am Dienstag gleich Besuche der einzelnen Friedewalder Ortsteile an. „Wir nehmen die Akteure früh mit, um gar nicht erst eine unangemessene Erwartungshaltung aufkommen zu lassen. Gleichwohl sehen wir, dass man von den Experten von außerhalb etwas erwartet“, berichtet George.

Junge Familien begeistern

Vordringliches Ziel bei allem Engagement sei es, junge Familien für die Gemeinde Friedewald zu begeistern. Um das zu verwirklichen gelte es zunächst Stärken und Schwächen der Kommune herauszuarbeiten. „Es geht darum herauszufinden, was Friedewald zu bieten hat, was der Gemeinde fehlt und was man vielleicht akquirieren kann“, erklärt der Professor aus Gießen.

Bei allem Engagement müsse man ran an die Bürger. Das gehe der Politik schon lange ab. Nach Zusammenschlüssen und Verbünden möchte Professor George in den kommenden Monaten suchen, und dabei nach Bedarf und Ressourcen schauen: „Nahversorgung, Bildung und Gesundheit. Alles muss in Augenschein genommen werden“, merkt er an.

Leitbild alleine reicht nicht

Das akademische Wissen, das Professor George in Friedewald einbringt, müsse in die Füße. Ziel sei ein Projektmanagement, das nicht allein über bunte Broschüren zu erreichen sei. Denn Papier alleine sei geduldig. „Ein Leitbild entwerfen alleine reicht nicht. Es müssen auch gleich Umsetzungsaufgaben mit auf den Weg genommen werden.“

Er und seine Mitstreiter seien keine heimatbesoffenen Zauderer. „Wir setzen uns konstruktiv mit der Regionalentwicklung auseinander. Wir müssen Substanzielles entfachen.“

Die Umsetzung von Ideen sei wichtig. Dafür müsse man im Besitz des Projektmanagements sein. Bestes Beispiel sei die Windkraft. „Projektierer haben meist genau so wenig Geld wie die Gemeinden. Sie wissen aber, wie sie den Wasserfall der Geldgewinnung organisieren. Das werden sie aber nicht preisgeben“, führt Professor George weiter aus.

Auch in Friedewald suche er nun nach Leuten, die Infrastruktur ermöglichen wollen. Und bei Bürgermeister Dirk Noll habe er da offene Türen eingerannt. „Wenn ich einen Bürgermeister erst motivieren muss, mitzumachen, dann lasse ich es sofort sein“, erklärt Professor Walter George und freut sich auf seine Arbeit für die Dreienberggemeinde und den Menschen dort. Bürgermeister Noll verspricht sich von dem zukunftsorientierten Projekt Hilfe bei der strategischen Entwicklung Friedewalds.

Von Mario Reymond

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