Leimbacher ärgern sich über umgepflügte Gärten – Menschenschweiß soll helfen

Wild wütet im Werratal

Ärgerlich: Lina Ritz zeigt ein tellergroßes Stück Rasen, das aus dem Erdreich gerissen wurde. Für den Schaden in ihrem Garten sind vermutlich Dachse , Waschbären oder Wildschweinrotten verantwortlich. Foto: Spanel

Leimbach. Schrecksekunde für Lina Ritz im Morgengrauen: Erneut haben nachtaktive Wildtiere ihre Rasenflächen verwüstet. Teilstücke wurden umgegraben, zahlreiche Grasbüschel dem Erdreich entrissen. „Seit nunmehr einem Monat stelle ich eine verstärkte Wildaktivität auf meinem Grundstück fest. Dabei bleibt es nicht beim Zerwühlen der Wiese, auch meine Gelben Säcke werden aufgerissen und der Müll wird auf dem ganzen Grundstück verteilt.“

Faustgroße Löcher

Beileibe kein Einzelfall in der Dippacher Straße. So klagt Nachbar Karl Strube über faustgroße Löcher in seinem Garten, Heinrich Oeste verzeichnet sogar geplünderte Nistkästen.

Welches Tier der Übeltäter ist, lässt sich aber nicht mit Bestimmtheit feststellen. Jagdpächter Bernd Trieschmann vermutet einen Dachs hinter den Schäden: „Auf der Suche nach eiweißreicher Nahrung wie Insektenlarven, Engerlingen und Mäusenestern gräbt er das Erdreich um. Das ist sein typisches Verhalten und zu dieser Jahreszeit völlig normal.“

Zahl der Waschbären steigt

Aber auch der Waschbär ist als Verursacher nicht auszuschließen. Volker Neumann vom zuständigen Forstamt gibt zu bedenken: „Die Anzahl an Waschbären, die in Wohngebieten ihr Unwesen treiben, steigt stetig. Sie haben keine natürlichen Feinde und gewöhnen sich schnell an den Menschen.“ Doch ob nun Dachs, Waschbär oder gar Wildschweinrotte – das Wild muss wieder aus den Gärten vertrieben werden.

Ein sensibles Thema, wie auch Dr. Hans-Werner Fischer vom Forstamt bestätigt: „Wohngebiete gelten als befriedete Bezirke, in denen die Jagd prinzipiell nicht ausgeübt werden darf. Auch beim Aufstellen von Fallen ist Vorsicht geboten. Ohne den entsprechenden amtlichen Sachkundenachweis darf weder der Grundstückseigentümer noch ein beauftragter Jäger die Wildtiere einfangen. Das schreibt das Tierschutzgesetz vor.“

Stänkern ist erlaubt

Erlaubt ist hingegen die sogenannte Wildverstänkerung mit einschlägigen Mitteln aus dem Fachhandel. Dabei wird das Wild mit Hilfe von stark konzentrierten Gerüchen – zum Beispiel nach Menschenschweiß – vertrieben. Daneben sind eigens dafür hergestellte Wildzäune ein probates Mittel zur Schadensverhütung.

Dass sich eine solche Investition durchaus lohnen kann, zeigt ein Blick auf die Versicherungslage. Flurschäden werden gemeinhin nicht als standardisierte Gefahr eingestuft und sind demnach nicht durch die klassischen Modelle der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung abgedeckt. Die Betroffenen müssen also in der Regel selbst für den erlittenen Schaden aufkommen.

Auch Lina Ritz versucht nun, ihren Garten mit Hilfe von Eimer, Schaufel und Harke wieder herzustellen.

Von Emily Spanel

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