Michael Roth diskutiert in Heringen über „gutes Leben auf dem Lande“ im Kalirevier

Werratal ist keine Krisenregion

Region mit Lebensqualität: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth (stehend) diskutierte mit seinen Gesprächspartnern Astrid Bachelier, Uwe Kondziella, Dr. Thorsten Waap und Stefan Strube (hinten von rechts) anlässlich des Werratalgesprächs in Heringen. Foto: roda

Heringen. Das waldhessische Kali-Werratal bietet hinsichtlich der wirtschaftlichen und sozialen Struktur sowie des Bildungsangebots durchaus gute Perspektiven, um die Region als Wohnsitz zu wählen. Dieses Ergebnis jedenfalls erbrachte das Werratalgespräch mit Michael Roth, das der SPD-Bundestagsabgeordnete zum Thema „Die Kirche im Dorf lassen – gutes Leben auf dem Lande?“ in Heringen vor Publikum veranstaltete.

Als Gesprächspartner hatte sich Roth die Studienleiterin Astrid Bachelier von der Werratalschule, Pfarrer Dr. Thorsten Waap sowie die Vorsitzenden der Werbegemeinschaften Heringen und Philippsthal, Stefan Strube und Uwe Kondziella, aufs Podium geladen. Dem Thema am nächsten, schilderte Pfarrer Waap die Veränderungen seines Berufsstandes zu früher.

Weniger Bindung zur Kirche

Die Bedeutung als Respektsperson habe zwar abgenommen. Aber durch die Residenzpflicht am Ort sei man immer noch Ansprechpartner für viele Probleme. Andererseits wäre die Bindung vieler Menschen zur Kirche geringer geworden.

Die personelle Konsequenz daraus mit einer Pfarrstelle weniger könne den steigenden Betreuungsbedarf aber kaum noch abfangen. Er fordere deshalb eine ambulante Altenbetreuung. Außerdem merkte Waap an, dass die gute Infrastruktur in Heringen und Umgebung nicht die dort oftmals verhärteten Meinungsunterschiede verdeckte. Er werbe deshalb für mehr harmonisches Miteinander.

Lehrerin Astrid Bachelier konnte unterdessen mit Pluspunkten aufwarten. Denn die Werratalschule habe mit dem Abitur einschließlich beruflicher Ausbildung zur Chemisch Technischen Assistenz (CTA) ein Alleinstellungsmerkmal unter den Bildungseinrichtungen auch überregional. Zudem erkennt sie Vorteile daraus, dass von der Kindertagesstätte bis zur Oberschule alles an einem Campus zusammengefasst ist.

Stefan Strube, Inhaber eines Steinmetzbetriebes, möchte die Infrastruktur in Heringen festigen beziehungsweise verbessern und sieht die Verantwortung seiner Generation vor allem auch in der Übernahme von ehrenamtlichen Führungsfunktionen wie zum Beispiel in der Werbegemeinschaft. Und natürlich wisse er um das wirtschaftliche Potential der Kaliindustrie gerade auch für die Gewerbebetriebe in der Umgebung. Deshalb wünsche er sich ein klareres Bekenntnis zur Bergbauregion an der Werra.

Unter vergleichsweise menschlich milderen Klimabedingungen wirkt da schon Uwe Kondziella in seiner Vorstandsfunktion der Werbegemeinschaft Philippsthal. Am Beispiel des von dieser kürzlich veranstalteten Oldtimertags im Schlosspark schilderte der Kfz-Meister die unbedingte Bereitschaft vieler freiwilliger Helfer, ohne die so ein Großereignis niemals bewältigt werden könne. Ein Vorteil sei zudem die Unterstützung durch die politische Gemeinde.

Für Gastgeber Michael Roth waren diese und andere Aussagen der Beweis, dass das Kalirevier keine Krisenregion ist. Zusätzliche Impulse wären allerdings von Nutzen.

Von Hans-H. Hartmann

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