Mehr zum Thema: Landwirte im Kreis rechnen mit großen Verlusten bei der Ernte

„Weizen ist Nullnummer“

Trockenheit macht Ernte kaputt: Landwirt Manfred Mannel aus Schenklengsfeld auf einem seiner Weizenfelder. Die Halme zeigen deutliche Trockschäden und sind viel kleiner. Die Trockenheit hat auch tiefe Risse im Boden (kleines Bild) hinterlassen. Foto: Geier

Hersfeld-Rotenburg. Die Sonne brennt auf seine Felder hinab. Nachdenklich blickt Manfred Mannel aus Wehrshausen auf sein Weizenfeld. Im vergangen Jahr standen die Ähren im Juni im satten Grün, jetzt sind sie teilweise gelb und vertrocknet. Der Landwirt sieht die tiefen Risse, die sich in seinem Boden gebildet haben. Kein Tropfen Wasser steckt mehr im Erdreich.

Manfred Mannel zieht einen kurzen, dünnen Weizenhalm aus der Erde. Daran kringeln sich schon welke Blätter. Das Wasser fehlt. Die Pflanze trocknet aus. Mit einem Kopfschütteln öffnet er die schmale Weizenähre. Momentan bilden sich die Weizenkörner aus – aber ohne Wasser wird es nicht viel zum Ernten geben. Nur Schmachtkörner, die ihm große Verluste bescheren. „Noch nicht einmal, wenn es von heute auf morgen regnet, lässt sich diese Ernte retten“, sagt Manfred Mannel. Es fehlt der regelmäßige Niederschlag.

So wie auf den Feldern rund um Schenklengsfeld, sieht es auch in den benachbarten Gemeinden Eiterfeld und Hohenroda aus. Tiefe Risse – die man nur aus der Wüste kennt – haben sich dort im Boden gebildet. Die Pflanzen haben das Wasser komplett aus dem Boden gesogen, sodass sich die Erde zusammenzieht und sich die dicken, langen Risse im Erdreich bilden.

Bis zu 60 000 Euro Verlust

Auch im Norden des Kreises klagen die Landwirte über die Dürre. „Beim Weizen ist schon jetzt alles zu spät, der ist in diesem Jahr eine Nullnummer“, berichtet Landwirt Karl Keim aus Rotenburg. Er hat dadurch für sich persönlich einen Schaden zwischen 50 000 und 60 000 Euro errechnet. Fast alle durch die Trockenheit betroffenen Landwirte würden nach aktuellen Prognosen zwischen 30 und 40 Prozent ihrer Ernte einbüßen. Das sieht er jeden Tag, wenn er seine Felder inspiziert. Sein Weizen steht schlecht. Auf den Kiesfeldern ist er regelrecht zusammengefallen. Ohne Wasser liegen die Pflanzen jetzt dürr am Boden. Keim: „Ich kann mich nicht an eine solche Trockenheit so früh im Jahr erinnern.“ Das trockene und kalte Frühjahr hat das Wachstum des Weizens gehemmt, die jetzige Trockenheit und die hohen Temperaturen täten das Übrige.

Auch die Gerste leidet. „Im Herbst wurden einige Bestände vom Gelbmosaikvirus geschädigt, nun schlage die Dürre zu und mindere den Ertrag noch um einiges mehr“, erzählt Keim. Noch ist es zu früh um zu sagen, wie schlecht diese Ernte ausfallen wird.

Neben den Schäden beim Ackerbau sieht Manfred Mannel mit einem Blick auf seine Grünflächen eine Futterknappheit nahen: „Die Wiesen, die wir um Himmelfahrt gemäht haben, werden jetzt braun. Es kommt kein frisches Gras nach.“ Mannel profitiert noch von einem Überschuss aus dem vergangenen Jahr. Aber nicht jeder Landwirt verfüge über eine Reserve, und ohne Regen werden die Probleme nur größer. Laut Mannel sei bei Grünfutterknappheit die Reduzierung des Viehbestands im Stall die einzige Lösung.

Von Christiane Geier

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