Unternehmen steckt 1,2 Millionen Euro in technische und ökologische Neuerungen

Wehranlage aufgerüstet

Neue Fischtreppe: Weil das Wehr in Philippsthal den Fischen den natürlichen Weg die Werra hinauf versperrt, hat Fritz Eberlein, Betreiber des Wehrs, auch eine Fischaufstiegstreppe installieren lassen.

Philippsthal. Das Wehr in Philippsthal ist seit Mitte August durch Fritz Eberlein aus Rothenburg ob der Tauber für 1,2 Millionen Euro sukzessive umgebaut, aufgerüstet und ökologisch auf den neuesten Stand gebracht worden. Die Endabnahme des Gesamtprojekts fand in den vergangenen Tagen statt.

Der 42-Jährige betreibt mit seiner AUF Eberlein und Co. GmbH mehrere derartige Anlagen, darunter die drei in Philippsthal, Harnrode und Lengers. Diese drei Anlagen hatte Eberlein in den Jahren 1996 und 2005 vom Kasseler Düngemittelhersteller K+S erworben. Am Wehr in Philippsthal sind beispielsweise eine Fischtreppe, eine Fischabstiegsmöglichkeit, eine Aus- und Einstiegsstelle für Kanuwanderer sowie ein Horizontalrechen mit 15 Millimeter breiten Durchlässen installiert worden. Überdies wurde eine Stauerhöhung um 40 Zentimeter vorgenommen, sodass jährlich eine Mehrleistung von 400 000 Kilowattstunden zu Buche schlägt.

Insgesamt können mit den beiden Turbinen im Wehr und einer neuen Restwasserschnecke jährlich bis zu 2,17 Millionen Kilowattstunden in das Netz der E.on Mitte AG eingespeist werden. Damit können etwa 600 Haushalte pro Jahr mit Strom versorgt werden. Der Punkt zur Stromeinspeisung befindet sich in der Nähe des Schlosses. Dort wird der in dem Wasserkraft produzierte Strom in Mittelspannung (20 000 Volt) übergeben. Das gesamte Genehmigungsverfahren lief über das RP kassel. Die Marktgemeinde Philippsthal wurde ebenfalls beteiligt und hat das gesamte Projekt ebenfalls mit genehmigt und unterstützt.

Zur Technik seiner Anlage führt Eberlein aus, dass die Stauerhöhung auch verbunden ist mit einer um zehn Zentimeter tieferen festen Wehrschwelle, sodass es in Hochwasserzeiten zu einer Entlastung der direkten Anlieger in Richtung Vacha kommen werde.

Holz und Strom

Den Spaß an Wehranlagen hat der Diplom-Ingenieur für Holztechnik von seinem Vater vererbt bekommen. „Mein Vater hat das mehr zum Hobby gemacht.

Seinen Wechsel von der Holzindustrie hin zur Stromgewinnung aus Wasserkraft sieht Eberlein als keineswegs unlogischen Schritt: „Seit jeher gehören doch Holz und Wasserkraft zusammen. Das beste Beispiel sind Mühlen“, merkt Eberlein an.

Trotz des jetzt erreichten jährlichen Mehrertrags durch die zusätzlichen 400 000 Kilowattstunden an Strom spricht der Investor von einem relativen Nullsummen-Geschäft. „Die Anlage ist jetzt zwar auf dem neuesten technischen Stand, wird sich aber erst in 20 bis 25 Jahren amortisieren. Der Mehrertrag fließt direkt in Zins und Tilgung“, merkt Eberlein an.

Von Mario Reymond

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