Wahlprüfsteine: In Friedewald liegen SPD und Offene Liste häufig auf einer Wellenlänge

Veraltete Technik: Die Friedewalder Kläranlage entspricht nicht mehr den neuesten Verordnungen und müsste dringend erneuert werden. Foto: nh

Friedewald. In Friedewald ist mit der Wahl von Dirk Noll zum Bürgermeister kommunalpolitisch wieder Ruhe eingekehrt. Das lässt sich an den harmonischen Sitzungsabläufen festmachen. Auch bezüglich einiger anstehender Projekte liegen die Ansichten von SPD und Offener Liste nicht weit auseinander.

Wie stehen SPD und OL zum Rathausprojekt?

Da das bisherige Rathaus den Anforderungen an eine moderne Verwaltung nicht mehr gewachsen ist, befürworten sowohl SPD als auch Offene Liste den Umzug in den benachbarten Schlosstrakt. Dort sei nach den anstehenden Umbauarbeiten die Verwaltung barrierefrei zu erreichen. Auch hinsichtlich der Finanzierung sei der Umzug in das Schloss die beste Variante.

Ist der Umbau der Festhalle sinnvoll oder pure Geldverschwendung?

Auch hier herrscht Einigkeit. Die mittlerweile 60 Jahre alte Festhalle entspricht in ihrer jetzigen Form nicht mehr den heutigen Anforderungen. Für SPD und Offene Liste ist auch die Möglichkeit der Finanzierung über das Dorferneuerungsprogramm sehr interessant.

Während es für die SPD sehr wichtig ist, dass die vorhandene Grundstruktur des Gebäudes erhalten und dadurch auch den Wünschen der Bürger Rechnung getragen wird, ist die Offene Liste überzeugt davon, dass sich die Festhalle nach dem Umbau attraktiv für die Gemeinde darstellen und rege genutzt wird.

Wie stehen die Fraktionen zu den geplanten Windkraftprojekten Roteberg und Gaishecke?

Sowohl SPD und Offene Liste bekräftigen, dass sie nicht gegen die Windkraft sind. Beide stehen allerdings zu der im Jahre 2014 verfassten Resolution. Dabei wurde sich parteiübergreifend gegen das aktuelle Windkraftprojekt auf dem Roteberg ausgesprochen. Die von der Gemeindeverwaltung vorgeschlagenen alternativen Flächen entlang der Autobahn 4 im Seulingswald wurden jedoch von den Entscheidern des Regierungspräsidiums abgelehnt.

Die SPD ist grundsätzlich für den Ausbau der Windenergie, jedoch dürfen die Anlagen nicht zu einer Belastung für Mensch und Natur werden. Für die Offene Liste ist mit den geplanten Projekten das Maß der zumutbaren Bebauung erreicht.

Friedewald hat ein Kläranlagen-Problem. Wie soll es angegangen werden?

Die Kläranlage der Dreienberggemeinde entspricht nicht mehr den neuesten Anforderungen. Für die Offene Liste wäre ein Neubau am aktuellen Standort baulicher Unsinn, da die Ableitung der Restwässer aufgrund der geringen Wasserführung des Kothebachs wohl nicht mehr genehmigungsfähig sein wird. Grundsätzlich müssten die Investitions- und die Folgekosten für verschiedene Varianten betrachtet werden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist aus Sicht der Offenen Liste eine Festlegung auf eine gemeinsame Kläranlage mit Schenklengsfeld oder eine eigene Variante noch nicht möglich, da wichtige Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien. Grundsätzlich ist für die Offene Liste aber eine große gemeinsame Lösung wirtschaftlicher – sowohl was die Investitionskosten, aber auch was die langjährigen Betriebskosten betrifft.

Auch die SPD will in Sachen Kläranlage auf Synergieeffekte setzen. Für sie würde sich daher eine interkommunale Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde anbieten. Aktuell gebe es aber mehrere Planungen. Nach Prüfung der verschiedenen Varianten wird sich die SPD für die wirtschaftlichste Lösung entscheiden.

Warum ist die Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets sinnvoll?

Nur durch neue Gewerbeflächen ist laut SPD die Schaffung neuer Ausbildungs- und Arbeitsplätze möglich. Das neue Gewerbegebiet im nordwestlichen Bereich stelle eine sinnvolle Erweiterung dar. Durch bauliche Maßnahmen werde zudem eine Beeinträchtigung der Wohnbevölkerung weitgehend vermieden.

Für die Offene Liste steht die Ansiedlung von Gewerbe ganz oben auf der Liste, da nur so Friedewald als Wohnort attraktiv sei und ein Sinken der Einwohnerzahl verhindert werden könne. Zudem seien steigende Gewerbesteuereinnahmen wichtig und sorgten über Jahre für einen ausgeglichenen Gemeindeetat. Da auch die Nachfrage nach Gewerbeflächen an der Autobahn 4 und insbesondere in Friedewald hoch sei, gelte es diesbezüglich zu handeln.

Hintergrund:CDU tritt nicht mehr an

Die SPD und die Offene Liste sind die beiden einzigen Gruppierungen, die am 6. März zur Kommunalwahl in Friedewald antreten. Keine eigene Liste mehr zusammenbekommen haben die offensichtlich „überalterten“ Christdemokraten. Ihr letzter verbliebener bisheriger Gemeindevertreter Wilfried Möller aus Lautenhausen tritt nun für die Offene Liste an und wird dort auf Platz drei geführt. Politisch weiterhin nicht in Erscheinung treten die Vertreter der Bürgerinitiative für ein l(i)ebenswertes Friedewald, die sich vehement gegen Windkraftprojekte am Roteberg und der Gaishecke eintreten und in der Vergangenheit nicht immer glücklich über Entscheidungen der politischen Vertreter ihrer Gemeinde gewesen sind. (rey)

Kommentare