Theater-AG der Werratalschule präsentierte Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“

Völlig ohne Lehrer

Sitzen im Sanatorium fest: (von links) Nils Westermann als Ernst Heinrich Ernesti, genannt Einstein, Tobias Zaenker als Herbert Georg Beutler, genannt Newton, und Florian Köhler als Johann Wilhelm Möbius. Fotos: Wagner

Heringen. Rund 150 Zuschauer verfolgen aufmerksam das Geschehen auf der Bühne des Bürgerhauses, auf der drei Schüler der Werratalschule auf Sofas vor einer Kulisse aus Pappe sitzen. Sie stellt einen Raum im privaten Sanatorium „Les Cerisiers“ dar, Schauplatz der Komödie „Die Physiker“ des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt. Dieses Stück brachten die Schüler und Schülerinnen der Theater-AG am vergangenen Freitag und Samstag eindrucksvoll auf die Heringer Bühne.

In Eigenregie entstanden

Gänzlich ohne Mithilfe des Lehrerkollegiums hatten die engagierten Schülerinnen und Schüler neben dem Unterricht das anspruchsvolle Theaterstück erarbeitet. „Es gibt nach wie vor junge Menschen, die zeigen, wozu sie fähig sind“, lobte der stellvertretende Schulleiter Gerhard Ferenszkiewicz das gesamte Ensemble nach der Premierenvorstellung am Freitag. Die Mitglieder der Theater-AG hatten das Bühnenbild selbst hergestellt, die Dialoge einstudiert und die Kostüme und Requisiten ausgesucht.

Führte Regie, spielte die Hauptrolle, entwarf das Bühnenbild und kümmerte sich um die Requisiten: Florian Köhler.

Die Komödie „Die Physiker“ gehört zu den größten deutschsprachigen Theatererfolgen der Nachkriegszeit und erzählt die Geschichte von drei Physikern, die gemeinsam in einer psychiatrischen Klinik leben. Einer von ihnen hat eine weltverändernde Entdeckung gemacht, die hintergründig die Kernfrage des Stücks nach der Verantwortung der Wissenschaft aufwirft. Überzeugend stellten die Schülerinnen und Schüler die drei Physiker sowie die Besitzerin der Anstalt, Mathilde von Zahnd, und Polizei-Inspektor Richard Voß dar.

Junges Multitalent

Eine besonders herausragende Leistung erbrachte Hauptdarsteller Florian Köhler, der sowohl Regie geführt, als auch das Bühnenbild entworfen hatte und für die Requisite verantwortlich gewesen war. „Er war sozusagen der Manager der ganzen Gruppe“, erläuterte Gerhard Ferenszkiewicz und Souffleuse Isabel Führer, die als Ersatz kurzfristig auch eine kleine Sprechrolle übernahm, zeigte sich ebenso begeistert vom Talent ihres Mitschülers, den sie seit Kindertagen kennt. „Dass Florian sich zu solch einem grandiosen Regisseur entwickelt, hätte ich damals im Kindergarten nicht gedacht“, fügte sie lachend hinzu. Das Allround-Talent überzeugte auch in seiner Rolle als Johann Wilhelm Möbius und zeigte dabei großes schauspielerisches Können, das auf eine vielversprechende Zukunft hoffen lässt.

Die Theater-AG, die aus 14 Schülerinnen und Schülern aus der Ober- und Mittelstufe besteht, formierte sich im letzten Dezember nach einem Jahr Pause neu. Der Erfolg der beiden Aufführungen von Dürrenmatts Klassiker lässt darauf hoffen, dass in Zukunft weitere ehrgeizige Produktionen in Angriff genommen werden.

Von Nicole Wagner

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Theater-AG der Werratalschule präsentierte „Die Physiker“

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