Bürger von Friedewald in Sorge wegen Autobahnbau – Planfeststellungsverfahren verpennt?

Unruhe am Dreienberg

Dorthin kommt der Wall: Winfried Witzel (links) und sein Schwiegersohn Maik Hahn im Garten ihres Hauses (rechts) am Auweg 9 in Friedewald. Direkt hinter der Hecke soll der Sandwall beginnen. Im Hintergrund das blaue Schenker-Logistik-Zentrum. Foto: Struthoff

Friedewald. So möchte man wohnen. Eine stille Straße, grüner Rasen, akkurat getrimmte Hecken. Dahinter ein weiter Blick aufs Feld. In der Ferne rauschen die Lastwagen auf der Autobahn vorbei. Doch in Maik Hahns Garten im Neubaugebiet am Auweg hört man kaum etwas davon. Bald könnte es hier sehr viel lauter werden. Denn dort, wo jetzt das Feld beginnt, soll ein bis zu fünf Meter hoher Erdwall eine Bodendeponie abschirmen, auf der bis zum Jahr 2016 mit 45-Tonnern Sand hin- und hergefahren wird. Ein Alptraum für jeden Häuslebauer.

Aufgeheizte Stimmung

Entsprechend aufgeheizt ist die Stimmung am Abend in der Festhalle von Friedewald. Gerhard Bößling von der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) trifft der geballte Unmut. Dabei ist der weiß-haarige Bau-Ingenieur nur der Überbringer der schlechten Nachricht für Friedewald. An der Bauvorplanung war sein Unternehmen gar nicht beteiligt.

Mit ruhiger Stimme erläutert er das Projekt, beschreibt Baustraßen, nennt Zahlen, Fakten und zeigt Karten, auf denen auch das Areal für die Bodenlagerung schraffiert eingezeichnet ist. Doch gerade das verärgert die Bürger. Denn die Karten sind offenbar veraltet. Viele Häuser am Auweg sind auf den Plänen noch gar nicht eingezeichnet. „Wir wohnen dort schon seit 1995“, ruft eine erboste Frau. „Was würden Sie tun, wenn auch auf der Lagerfläche jetzt Häuser stünden – sie einfach zuschütten?“ fragt ein Mann.

Bößling erläutert, dass gerade der hohe Erdwall die Häuser vor Baulärm schützen soll. Er verweist darauf, dass die Hauptarbeiten in den ersten sechs Monaten und auch nur tagsüber stattfinden würden. „Nachts können Sie ruhig schlafen“. Die Skepsis bleibt.

Gerhard Bößling (links) sah sich rund 200 aufgebrachten Bürgern gegenüber.

Immer wieder weist Bößling auch auf das abgeschlossene Planfeststellungsverfahren vom September 2011 hin. „Es gibt eine uneingeschränkte Baugenehmigung“, erklärt er und beschreibt den ungeheuren Zeitdruck wegen der maroden Talbrücke über den „Großen Kessel“.
Doch das öffentliche Verfahren und die Möglichkeit, Einspruch oder Änderungsvorschläge einzubringen, ist in der Gemeinde offenbar verschlafen worden. Nur ein Bürger soll sich die Unterlagen angesehen haben. Der Schuldige an diesen Versäumnissen ist für viele an diesem Abend der abgewählte Alt-Bürgermeister Martin Gröll.
Bößling bietet an, mit den Bürgern zusammenzuarbeiten. „Lassen Sie uns gemeinsam das Beste aus der Situation machen“, und schlägt eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Bürgermeisters vor. Die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Birgit Licht (SPD), kündigt eine interfraktionelle Sondersitzung an. Notfalls wolle man eine Resolution verabschieden und protestieren.

So oder so: Friedewald stehen wohl unruhige Zeiten bevor.

Von Kai A. Struthoff

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