Suche nach dem Schatz: Unterwegs mit Geocachern im Wald

Überraschung in der Box

Schatz gefunden: Jana Clute-Siemon schreibt ins Logbuch des Caches, der nahe des Storchenbrunnens versteckt ist. Foto: Eisenberg

Philippsthal. Irgendwo hier muss er sein. Unter einer dicken Laubschicht ist ein Schatz versteckt. Genauer gesagt ein Geocache. Und den wollen wir heute finden.

Ich begleite Jana Clute-Simon und Björn-Martin Handor beim Geocaching, der modernen Form der Schatzsuche mit Satelliten-Navigationsgerät. Ein eiskalter Wind fegt durch die kahlen Baumkronen im Wald bei Philippsthal. Über einen matschigen Weg, der zudem von querliegenden Ästen versperrt ist, haben wir uns bis zum Storchenbrunnen im Tiefenkeller durchgeschlagen. Zugegeben - dorthin hätten wir als Ortskundige auch ohne die Koordinaten gefunden. Doch um das Versteck ausfindig zu machen, sind wir trotzdem auf die Technik angewiesen.

Hinweis entschlüsseln

Schließlich müssen wir noch den „Hint“ entschlüsseln. Das ist der auf der Geocaching-Plattform im Internet veröffentlichte Hinweis. Jana Clute-Simon stellt sich auf den großen Stein vor dem Storchenbrunnen, peilt mit der Kompass-Funktion des Gerätes die vorgegebene Richtung an und wir schätzen die Entfernung ab. Und beginnen zu suchen. Zunächst vergeblich, auch wenn der Schwierigkeitsgrad laut Internet-Plattform eher niedrig ist. Eine Schatulle in der Größe einer Brotdose müsste doch zu finden sein. Vielleicht unter einer der Baumwurzeln? Zumindest haben andere Geocacher Bilder davon im Internet veröffentlicht.

„Manchmal gehen auch wir los und und finden nichts“, berichtet die 25-Jährige. Seit knapp einem Jahr gehen Jana Clute-Simon und Björn-Martin Handor regelmäßig Geocachen. Fast 100 Verstecke haben sie schon gefunden, und betreuen eines selbst.

Zum Geocachen sind beide eher zufällig gekommen. Aus Neugierde hatte sich Jana Clute-Siemon eine GPS-Software für ihr Smartphone zugelegt. Mittlerweile ist sie auf der Geocaching-Plattform Premium-Mitglied, wird dadurch unter anderem automatisch informiert, wenn es in der Nähe ein neues Versteck gibt. „Man kommt mal nach draußen und hat dabei ein Ziel. Und man weiß nie genau, was einen erwartet“, beschreibt die 25-jährige Industriekauffrau den Reiz der modernen Schnitzeljagd. Wie vielfältig die Möglichkeiten sind, wird mir schnell klar, als sie über ihr Hobby erzählt. Schon bei den Caches gibt es große Unterschiede, vom winzigen Nano-Cache bis zu großen Behältern mit außergewöhnlichen Tauschgegenständen, Travel-Bugs, die von ihren Besitzern in einem Versteck „ausgesetzt“ und von anderen Geocachern mit auf Reisen genommen werden. Multi-Caches haben mehrere Stationen, bei Mystery-Caches müssen Rätsel gelöst werden.

Eine Plastikschatulle

Nach einigem Suchen entdecken wir auch die versteckte Plastikschatulle am Storchenbrunnen. Wo genau sie liegt, darf ich in der Zeitung nicht schreiben. Zu groß wäre die Gefahr, dass der Cache einem Muggel - so werden in der Szene die Nicht-Geocacher genannt - in die Hände fällt. Beim Öffnen macht sich dann ein wenig Ernüchterung breit: Durch einen Riss in der Plastikbox ist Feuchtigkeit eingedrungen, die auch das Logbuch aufgeweicht hat. Darunter die Tauschgegenstände: Einige alte Kugelschreiber und Kronkorken. „Sonst sind da oft richtig tolle Sachen drin“, sagt Jana Clute-Simon etwas enttäuscht.

„Vielleicht spendieren wir eine neue Plastikdose“, meinen die beiden Geocacher, als wir das Behältnis samt Inhalt wieder sorgfältig versteckt haben.

Am heimischen Computer wird der Fund dann in die Geocaching-Plattform eingetragen. In der Liste auf ihrem Profil erscheint jetzt auch der Storchenbrunnen. Dahinter ein lachendes Gesicht – der Schatz ist gefunden.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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