Neuartiger Hochwasserschutz ist in Schenklengsfeld entwickelt worden

Die Tüftler vom Landecker

Wenn der Vater mit dem Sohne: Reinhard Ries senior (links) hatte die zündende Idee für den Hochwasserschutz mit Zylindern aus Glasfaser. Sein Sohn, Frankfurts Branddirektor Reinhard Ries (rechts), tüftelte die letzten technischen Feinheiten aus. Die ursprüngliche Idee, einen besonderen Hochwasserschutz auf den Weg zu bringen, hatte Georg Walger. Er fehlt auf dem Bild, da er mittlerweile im Gama-Seniorenheim in Ersrode lebt. Seit 2007 ist das System patentiert und seit einigen Jahren auf dem Markt. Vertrieben wird es über die in Neu-Isenburg ansässige Aquariwa GmbH – Aqua steht dabei für Wasser, ri für Ries und wa für Walger. Foto: Reymond.

Schenklengsfeld. Sandsäcke befüllen, um sie bei Hochwasser gegen die Fluten aufzutürmen ist mehr als mühsam. Aus diesem Grund tüftelten vor etwa zehn Jahren in Schenklengsfeld zwei altgediente Feuerwehrmänner mit großen Kunstoffplatten, um ein funktionierendes System gegen das Hochwasser zu entwickeln. „Der Georg Walger hatte die Idee. Er verschraubte die Wände, stellte dahinter Stützen auf und ich pumpte das Wasser aus der Solz.

Mal hat das System gehalten und dann ist es aber auch immer wieder zusammengebrochen“, erinnert sich der 77 Jahre alte Reinhard Ries, der von 1972 bis 1992 Ortsbrandmeister der Gemeinde Schenklengsfeld war.

Startschwierigkeiten

Das Netz am Boden verhindert, dass der später mit Wasser befüllte Plastiksack aus dem Behälter quillt und ihn instabil macht.

Mit ihrer keinesfalls ausgefeilten Idee machten sich die beiden auf den Weg nach Frankfurt, um ihr System dort bei der Berufsfeuerwehr zu präsentieren. „Mein Sohn sollte sich das einmal anschauen, doch der schüttelte nur den Kopf“, erinnert sich Reinhard Ries. Und der Junior muss es wissen. Schließlich ist der 57 Jahre alte Reinhard Ries junior seit 1993 als Branddirektor der oberste Feuerwehrmann in der Mainmetropole. Also packten Ries senior und Walger die Platten wieder ein und fuhren deprimiert zurück nach Schenklengsfeld.

Doch Ries senior versuchte gedanklich weiter an dem System zu feilen. Zu Besuch bei seinem Sohn blickte er eines Tages auf das Schwimmbecken im Garten und hatte plötzlich die zündende Idee: „Wir machen es rund“. Doch wieder gab es Zweifel. Diesmal bei Ries junior und Georg Walger. „Ich konnte mir das nicht vorstellen. Wenn ein Swimming-Pool nicht ganz waagerecht steht, wird er instabil und schlimmstenfalls läuft er sogar aus“, merkt der 57 Jahre alte leitende Branddirektor an.

„Das fällt uns um“, haben die mir zu verstehen gegeben. Umgefallen ist zwar nichts, aber der Wassersack drückte sich am Boden aus dem Glasfaserbehälter raus und alles war instabil.

Die Glasfaserplatte lässt sich in Sekundenschnelle zusammenrollen und mit Kunstoffriegeln verschließen.

Mittlerweile war aber auch Ries junior von der Funktionalität des Systems überzeugt und er überlegte seinerseits, wie der Wassersack in dem Behälter stabilisiert werden könnte. Mit einem geschlossenen Netz am Boden war die Lösung schnell gefunden. Im Jahre 2007 ließen sich die drei ihr Hochwasserschutzsystem europaweit patentieren, nachdem es sich bei mehreren Großversuchen als erfolgreich herausgestellt hatte. Mittlerweile ist es schon bei mehreren Hochwasserlagen zum Einsatz gekommen.

Beim Main-Hochwasser im Jahre 2011 in Frankfurt bestand das in Schenklengsfeld entwickelte System „Aquariwa“ seine Feuertaufe.

Doch trotz aller Funktionalität hat sich das sogenannte „Aquariwa“ in der Praxis noch nicht wirklich durchgesetzt. „Während die Fachleute von dem System restlos überzeugt sind, wird in Politikerkreisen noch immer die Verantwortung hin und hergeschoben. Und das, obwohl unser System wiederverwendbar ist. Sandsäcke sind nach dem Einsatz Sondermüll und müssen teuer entsorgt werden. Auf-, Abbau und Entsorgung eines ein Kilometer langen Sandsackwalls mit einer Schutzhöhe von 80 Zentimetern kostet mehr als die einmalige Anschaffung unseres Systems, das kinderleicht aufzubauen ist“, teilt Ries junior mit.

Von Mario Reymond

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