Fotoausstellung im Heringer Kali-Museum erinnert an die Grenzöffnung vor 25 Jahren

Tage des „Wahnsinns“

Geschichte in Schwarzweiß-Fotos: Die Ausstellung „25 Jahre Grenzöffnung im Werratal“ im Heringer Kali-Museum zeigt die eindrücklichsten Momente jener Tage, über die der damalige HZ-Redakteur Heiner Paris in Wort und Bild berichtet hat. Foto: roda

Heringen. Grenzöffnungstermine fast im Tagesrhythmus, dabei freudestrahlende Menschen, aber auch bedrückte Gesichter, kommunale Entscheidungsfindung aus dem Handgelenk, alles das erlebte Heiner Paris während jener geschichtsträchtigen Tage im November des Jahres 1989 als Redakteur der Hersfelder Zeitung im Werratal. Anlässlich der Ausstellungseröffnung seiner Fotos aus diesem Zeitabschnitt erinnerte Paris im Heringer Werra-Kalibergbau-Museum am Freitag an die eindrücklichsten Momente seiner Journalistenlaufbahn.

Als damals die ganze Welt auf die Ereignisse in Berlin blickte, wurde auch die Frontberichterstattung des HZ-Redakteurs über das ähnlich ablaufende Geschehen zwischen Philippsthal und Kleinensee zur begehrten Lektüre der Zeitungsleser in Waldhessen. Dabei sind ihm die Stunden in der Nacht zum 12. November heute noch genauso geläufig, als auf der Brücke bei Vacha endgültig die Mauer fiel und ratlose Westpolitiker um passende Erklärungen rangen.

Verbindung hergestellt

Kaum war eine Verbindung zwischen zwei 40 Jahre getrennten Dörfern hergestellt, kündigte sich schon die nächste einige Kilometer weiter an. Ihre Freude darüber drückten die Menschen beiderseits oft nur mit dem Wort „Wahnsinn“ aus.

Sogar eine seit längerem vorbereitete Bürgermeister-Konferenz in der Landeshauptstadt Wiesbaden über die weitere Entwicklung des hessischen Grenzraums zur DDR wurde einfach von den überraschenden Veränderungen dortselbst überrollt. Heringens damaliger Bürgermeister Roland Hühn und Paris eilten noch vor Ende der Tagung vom Rhein an die Werra zurück, weil zwischen Widdershausen und Dankmarshausen das nächste Loch in den Eisernen Vorhang geschnitten werden sollte. Kaum etwas wurde wirklich verpasst. Alles funktionierte irgendwie. Und wohlgemerkt: das Zeitalter der Mobiltelefonie und schnellen Datenübertragung per Internet begann erst zehn Jahre später.

Fotos und Geschichten aus jenen bewegenden Tagen hat Heiner Paris damals in dem Bildband „Gehn wir mal rüber.“ zusammengefasst. Ein Teil davon und andere Schnappschüsse sind nun im Kali-Museum zu sehen. Bei der Auswahl halfen Dieter Schlieben, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins und selbst profunder Zeitzeuge sowie Museumsleiter Hermann Josef Hohmann. Heringens Erster Stadtrat Johannes Beyer eröffnete die Ausstellung, die noch bis zum 12. April 2015 im Werra-Kalibergbau-Museum zu sehen ist. Der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten: November bis Februar: Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr.

März und April: Dienstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

Von Hans-Heinrich Hartmann

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