Volker Bernhardt war beim Einreißen der Grenzanlagen dabei

Stücke der Erinnerung

Sicher aufbewahrt: Volker Bernhardt aus Netra hat die Fundstücke von der Grenzanlage bei Großensee und Kleinensee bis heute aufgehoben. Auch die Leuchtraketen sind noch in seinem Besitz. Foto: Kiele

Heringen. Kleine Fundstücke von der damaligen Grenzöffnung der Übergänge zwischen Großensee und Kleinensee bei Wildeck hat Volker Bernhardt hiner einem Glaskasten mit Goldrand aufbewahrt. Am Morgen des 15. Dezember 1989 entschied er sich gemeinsam mit seinem Kollegen, die Abbauten der Sicherungsanlagen zu verfolgen. „Das wollte ich miterleben“, sagt der heute 73-Jährige.

„Das war ein inoffizieller Übergang, den kaum einer kannte“, sagt Bernhardt. Um 12 Uhr kam er damals vor Ort mit seinem Kollegen an. „Da sind viele Leute hingefahren und haben etwas abgebaut“, erzählt der ehemalige Kriminalhauptmeister, der damals in Bad Hersfeld beruflich tätig war und heute in Netra wohnt. Auch Volker Bernhardt wollte zur Erinnerung an diesen Tag etwas mitnehmen. Ein Bagger war bereits dabei, die Grenzanlage einzureißen. Bernhardt beobachte damals alles ganz genau und sah, dass sich an einem Pfosten noch ein Schloss befand. „Ich habe dem Kranführer zu verstehen gegeben, dass er den Greifer anhalten sollte“, erzählt Bernhardt. Kurz danach konnte er das Schloss an sich nehmen, das er große bis heute aufbewahrt hat. An der gleichen Stelle hat er noch eine Halteschraube von einer Schranke aus Metall gefunden.

Ein Betonstück konnte Bernhardt auch noch ergattern. Als er sich weiter bei den ehemaligen Sicherheitsanlagen umschaute, entdeckte er auch noch einen Spannfaden und Leuchtraketen, die früher an den Grenzanlagen befestigt waren.

„Da sind viele Leute hingefahren und haben etwas abgebaut.“

Volker Bernhardt

„Jeder vor Ort war froh über das Einreißen der Grenzanlagen“, sagt Bernhardt. Zu einem NVA-Offizier habe er gesagt: „Schön, dass die Grenze abgebaut wurde.“ Doch das fand dieser offenbar in diesem Moment nicht so lustig. „Er würdigte mich nur mit einem bösen Blick“, so Bernhardt.

Kurz nach dem Einsammeln der Fundstücke fuhr Bernhardt mit seinem Kollegen noch zu dem ehemaligen Kontrollpunkt Unterbreizbach/ Vacha. Dort wollten sie einfach nur zuschauen. Und erlebten auch an diesem Punkt, wie die Grenzübergänge endlich abgebaut und die Wege nach Thüringen freigegeben wurden.

Von Franziska Kiele

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