Gefordertes Haushaltssicherungskonzept für Heringen bereitet Kopfschmerzen

Das Stadtfest sterben lassen

Hans-Jürgen Fischer

Heringen. Das Wasser schlug während der jüngsten Sitzung des Heringer Stadtparlaments hohe Wellen. Fast zweieinhalb Stunden lang redeten sich die Parlamentarier die Köpfe über ein Papier des Magistrats heiß, in dem die gemäß eines vom Landrat geforderten Haushaltssicherungskonzeptes vorgeschlagenen Einsparmöglichkeiten aufgezeigt worden waren. Dabei rieben sich die Stadtverordneten immer wieder an der Einführung eines Bereitstellungspreises für Wasseruhren in Höhe von jeweils zehn Euro pro Monat. Bei etwa 3000 Wasserzählern in den Heringer Haushalten würde so eine Summe von 360 000 Euro jährlich in die städtischen Kassen gespült. Dieses Vorhaben wies für die SPD Hans-Jürgen Fischer als Frechheit zurück. Den Griff in die Taschen der Bürger wertete er nicht als Konsolidierung. Fischer forderte den Magistrat auf, vernünftige Sparvorschläge zu unterbreiten. Und er selbst hatte gleich einen parat: „Wir hauen jährlich 100 000 Euro für das Stadtfest raus. Das steht in keinem Verhältnis“.

Wichtig für Zusammenhalt

Diese Forderung nach Abschaffung des Stadtfestes und auch des Frühjahrsempfangs brachte Bürgermeister Hans Ries auf die Palme: „Ich stelle mir gerade vor, Bad Hersfeld schafft die Festspiele und das Lullusfest ab. Auch das Live Jazz braucht eigentlich niemand. Und auch das Strandfest in Rotenburg ist überflüssig. Nein, solche Angebote benötigt eine Gesellschaft für den Zusammenhalt“.

Angesprochen auf die hohen Investitionen im Straßen- und Kanalbau entgegnete Ries: „Wir haben Werte geschaffen. Wir haben Geld in Material gewechselt. Wenn wir wie in der Privatwirtschaft arbeiten wollen, dann müssen wir tatsächlich alle sozialen Dinge abschaffen. Wir haben aber auch dafür zu sorgen, dass sich die Menschen hier bei uns wohlfühlen“.

Das Erreichen dieses Wohlgefühls dürfe aber nicht ständig über den Geldbeutel der Bürger gehen, mahnte Eckhard Bock (CDU) an. „Die Gebühren fressen uns doch langsam auf“, merkte der Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten weiter an. Er regte statt der starren Zählergebühr eine Preiserhöhung für das Trinkwasser um 20 Cent pro Kubikmeter an. Diesen Vorschlag unterstützte Peter Stötter von der WGH: „Dann kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er während des Zähneputzens das Wasser ausstellt oder weiter laufen lässt“.

An einer von der CDU geforderten Einführung von Wasseruhren für Zisternen schieden sich dann allerdings die Geister. „Wir haben den Bau von Zisternen aufwändig gefördert, da sie bei Starkregen wie Rückhaltebecken wirken“. Außerdem sei es schwierig, alle Zisternen in Heringen zu erheben, um dann dort Zähler zu installieren. „Da kommt uns die Brüh’ teurer wie die Brocken“, verdeutlichte SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Roth.

Von Mario Reymond

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