100 Jahre Erster Weltkrieg: Marc Schäfer aus Heringen erforscht die Geschichte seines Urgroßvaters

Die Spuren der Vergangenheit

Unterwegs auf Korsika: Marc Schäfer besuchte die Insel im Jahr 2006. Im Ort Ajaccio war Urgroßvater Valentin Hopf 1915 in Kriegsgefangenschaft. Foto: privat/nh

Heringen. Einige unscheinbare Fotos und Postkarten – mehr hat es nicht gebraucht, damit Marc Schäfer sich aufmachte, die Geschichte seines Urgroßvaters zu entdecken. Dass diese Geschichte ihn über Korsika, die Schweiz und Frankreich führen sollte, wusste er allerdings nicht.

Es begann im Jahr 2001 mit Fotos aus dem Jahr 1914, die Valentin Hopf zeigten, Gefreiter im zweiten Garderegiment zu Fuß. Die Bilder, die über lange Zeit von der Urgroßmutter verwahrt worden waren, weckten die Neugier im 45-jährigen Heringer.

Verwundet an der Marne

Er erfuhr mehr über die Geschichte seines Urgroßvaters: Wie er 1914 in den Krieg zog; dass er in der Marne-Schlacht verwundet wurde und in Gefangenschaft geriet, und wie er die restlichen Kriegsjahre in Gefangenschaft in Frankreich und der Schweiz verbrachte. Erst 1918 kehrte Valentin Hopf schließlich nach Heringen zurück.

Postkarten und Fotos hätten ihm dabei geholfen, „das Puzzle zusammenzusetzen“, erklärt Schäfer. Immer mehr arbeitete der Hobby-Ahnenforscher sich in die Materie ein, weit über die anfänglichen Bilder hinaus. „Ich wollte meinen Urgroßvater und seine Geschichte wirklich kennenlernen“, sagt Schäfer.

Bei den Planungen zum Sommerurlaub 2006 entschloss sich Marc Schäfer schließlich dazu, selbst die Orte zu besuchen, an denen sein Urgroßvater vor fast 100 Jahren gewesen ist.

Den Anfang machte die Insel Korsika. Dorthin wurde Valentin Hopf 1915 verlegt, nachdem er in Frankreich verwundet worden war. In Ajaccio war er damals untergebracht – den Ort gibt es heute noch, das Internierungsgebäude nicht. Mit einem alten Foto, und der Hilfe von Einheimischen ließ sich aber genau bestimmen, wo das Haus einst stand. Von da an wurde die Sache zum „Selbstläufer“, so Marc Schäfer.

2011 folgte eine Reise in die Schweiz, nach Luzern und Stanstadt. Dort, in einem Hotel, verbrachte der Gefreite Valentin Hopf zwei Jahre in Gefangenschaft, von 1916 bis 1918. In den Archiven von Bern und Luzern forschte Marc Schäfer nach, wie es dazu kam, dass sein Urgroßvater verlegt wurde. „Es war Glück“, erklärt er. „Nur etwa 5700 Gefangene kamen in die Schweiz, er war einer von ihnen“.

Die, laut Schäfer, „ergreifendste“ Station war der Besuch der Schlachtfelder an der Marne in Frankreich, im April dieses Jahres. Mithilfe eines Regimentsberichtes, dem eine detaillierte Karte beilag, konnte er auf wenige Meter genau den Ort bestimmen, an dem sein Urgroßvater vor 100 Jahren verwundet wurde. „Dort zu stehen, wo früher mein Urgroßvater stand, das war ein Gefühl das sich nur schwer beschreiben lässt“, erzählt Schäfer.

Urgroßvater kennengelernt

In diesem August führte ihn seine letzte Reise dahin, wo für seinen Urgroßvater der Krieg begann, nach Épernay in Frankreich. „Ich habe geschafft, was ich vorhatte: Ich habe meinen Urgroßvater besser kennengelernt“, sagt Marc Schäfer.

Von Artur Heissler

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