Zwei Führungen auf dem historischen Friedhof in Schenklengsfeld am Museumstag

Sprechende Grabsteine

Informieren: Karl Honikel lädt zum internationalen Museumstag zu zwei Führungen auf den historischen Friedhof in Schenklengsfeld ein. Foto: Reymond

Schenklengsfeld. Der Schenklengsfelder Historiker Karl Honikel bietet zum Internationalen Museumstag, Sonntag 17. Mai, zwei interessante Führungen auf dem historischen Friedhof in Schenklengsfeld an. Ab 13 und ab 15 Uhr – Eingang vom Weinberg her – möchte er die „sprechenden Grabsteine“ den Teilnehmern vorstellen.

„Jeder Stein erzählt seine eigene Geschichte. Er ist gelebte und bezeugte Frömmigkeit“, erklärt Honikel, der auch Vorsitzender des Heimatvereins Landeck in Schenklengsfeld ist. „Ich möchte zeigen, wie stark der Glaube früher in den Alltag hineingewirkt und das Leben bestimmt hat.“

Unter den 270 Grabsteinen, aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert befinden sich richtige Schmuckstücke. Der älteste Grabstein, auf dem die Schrift noch zu lesen ist, stammt aus dem Jahr 1662. Der jüngste aus 1895.

„Wenn früher die Glocken zur Mittagsstunde läuteten, hat der Bauer sein Kuh- oder Pferdegespann angehalten und gebetet. Heute hört der Landwirt auf dem Traktor noch nicht einmal mehr das Läuten“, weist Honikel auf die veränderte Bedeutung des Glaubens im Laufe der Zeit hin.

Glaube hat Halt gegeben

Früher hätten die Menschen aufgrund vieler Gefahren wie Krieg, Hunger und Pest ganz anders gelebt. Der Glaube habe ihnen Halt gegeben. Für viele Menschen in der damaligen Zeit sei das irdische Dasein nur ein kurzer Moment gewesen. Weitaus bedeutender für die Menschen sei das wesentlich längere Jenseits gewesen. „Davon zeugen auch heute noch die vielsagenden Leichentexte auf den Rückseiten der Grabsteine.“ So steht auf einem: „Christus ist mein Leben – Sterben ist mein Gewinn“.

Die historischen Steine selbst sind nach Meinung Honikels allesamt von damals in Schenklengsfeld ansässigen Steinbidlhauern gefertigt worden. „Nachweislich waren in jenen Jahrhunderten mehrere ,Steinhauer-Familien‘ hier tätig. So ist diese einmalige Sammlung auch historisches Zeugnis einer alten ländlichen Handwerkskunst. Die verwendeten Sandsteine wurden zudem in Brüchen rund um Schenklengsfeld gewonnen“, führt Honikel weiter aus.

In den Jahren 1959 bis 1964 ist der historische Friedhof in Schenklengsfeld entstanden. Die Steine wurden zusammengetragen und in 21 Reihen aufgestellt. Seit 2009 sind auf dem historischen Friedhofsteil teilanonyme Bestattungen möglich.

Anonyme Urnengräber

Vor den alten Grabsteinen befindet sich eine Stele mit den Namen der Verstorbenen, deren Urnen bei den alten Steinen anonym vergraben sind. „Welche Urne welchem historischen Grabstein zugeordnet wurde, weiß nur der zuständige Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung. So ist das nun einmal bei anonymen Bestattungen“, teilt Honikel mit.

Von Mario Reymond

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