Zahlenspiel um Salz-Stausee an der Oberweser

SPD: Kali-Pipeline vorantreiben

Hersfeld-Rotenburg. Drei Jahre ist es her, dass der runde Tisch „Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion“ Empfehlungen gegen die zunehmende Versalzung der beiden Flüsse abgegeben hat. Seitdem sei nichts geschehen, viel zu viel Zeit nutzlos verstrichen, findet die SPD-Fraktion der Regionalversammlung Nordhessen. Sie stellte einen Antrag, die Empfehlungen des runden Tisches – vor allem den Bau einer Pipeline zur Nordsee - nun zügig umzusetzen. „Wir fordern, dass eine verbindliche Trassenplanung für die Pipeline erstellt wird“, sagte Uwe Ermisch, Vorsitzender der SPD-Fraktion, in der Sitzung der Regionalversammlung am Montag.

In Nordhessen sind 160 Flusskilometer von der Salzzufuhr betroffen, erklärte Regierungspräsident Walter Lübcke. Der Kaliproduzent K+S habe zwar kürzlich eine weitere Einleitgenehmigung bis 2020 erhalten, aber die Grenzwerte würden ab 2015 von 2500 auf 1700 Milligramm Chlorid pro Liter Flusswasser abgesenkt werden. „Wir haben erstmals seit 100 Jahren an den Grenzwerten gedreht“, sagte Lübcke. Zudem sei eine weitere Planung der Pipeline Bedingung der Einleitgenehmigung gewesen.

Landau hofft auf Rot-Grün

K+S sei ein wichtiger Arbeitgeber in der Region, dürfe allerdings nicht von seiner ökologischen Verantwortung freigesprochen werden, waren sich alle Fraktionen einig. Bislang habe vor allem die niedersächsische Landesregierung beim Thema Nordsee-Pipeline geblockt, erklärte Dirk Landau von der CDU-Fraktion. Nun hoffe man, dass es mit der neuen rot-grünen Landesregierung zügiger vorangehe.

Unterdessen hat sich der niedersächsische Landtagsabgeordnete Ronald Schminke (SPD) aus Hann. Münden gegen den Bau einer Pipeline an die Oberweser ausgesprochen. Er wisse aus verlässlicher Quelle, dass K+S mit einem zeitnahen Ausfall der Laugenversenkung rechnet und daher jährlich 3,5 Millionen Kubikmeter Salzlauge in einem 80 Hektar großen Stapelbecken an der Oberweser lagern will. Schminke widerspricht der Darstellung, wonach der Speicherbeckenbedarf in Flussnähe nur noch auf eine Million Kubikmeter beziffert werde. Er wirft K+S vor, jahrelang verhindert zu haben, dass technisch moderne Trennverfahren angewendet werden.

Möglichst kleines Becken

K+S-Sprecher Ulrich Göbel sagte auf Nachfrage, das Unternehmen gehe für das Raumordnungsverfahren für eine Rohrfernleitung an die Oberweser von einem Speicherbedarf von bis zu 3,5 Mio. Kubikmeter aus. Dieses Volumen ergebe sich aus dem ab 2015 bei voller Produktion zu erwartenden Salzwasseraufkommen von durchschnittlich sieben Millionen Kubikmeter im Jahr. Bei dem Bedarf von bis zu 3,5 Mio. Kubikmetern werde die ungünstigste Abflusssituation unterstellt – extreme Trockenheit, so dass keine Salzlauge in die Werra eingeleitet werden kann.

Für den weiteren Verlauf der Genehmigungsverfahren strebe K+S eine Verringerung des Speichervolumens und damit der Beckengröße an, lege aber Wert darauf, „dass das nicht zu Lasten der Produktivität geht.“ (dir/wr/kri)

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