Hessen Forst und Straßenmeisterei fällten am Nadelöhr nicht mehr standfeste Bäume

Sicher im Seulingswald

Maschinen und Muskelkraft: Straßenwärter und Forstwirte arbeiteten gemeinsam auf der Landesstraße zwischen Friedewald und Hönebach. Mit seinem Rückeschlepper macht Dieter Möller aus Mündershausen die Strecke zwischen Nadelöhr und Zollstock wieder frei. Fotos: Eisenberg

Friedewald/Hönebach. Links die Autobahn, rechts die Landesstraße von Friedewald nach Hönebach, dazwischen ein schmaler Streifen Wald. Und am Straßenrand eine stattliche Buche, die ihre besten Zeiten hinter sich hat.

Durch das Streusalz unzähliger Winter hat der Baum auf der Fahrbahnseite seine Rinde verloren. Ein Pilz ist in das Holz eingedrungen, der Stamm ist bis auf halbe Höhe mit Fruchtkörpern übersät. Nicht auszudenken, wenn dieser oder einer der zahlreichen anderen nicht mehr standfesten Bäume bei einer Sturmböe umstürzen und womöglich ein Fahrzeug unter sich begraben würden. „Für die Bäume direkt am Fahrbahnrand ist eigentlich die Straßenmeisterei zuständig“, erklärt der Hönebacher Revierförster Markus Schneider. Weil aber auch für Fällarbeiten im direkt angrenzenden Wald der Sicherheitsabstand einer doppelten Baumlänge gelte, haben sich beide Landesbetriebe zusammengetan: Hessen Forst muss nicht für die zweitägige Sperrung der Landstraße aufkommen, die erfahrenen Waldarbeiter fällen im Gegenzug auch die kranken Bäume am Straßenrand. Zwischen Nadelöhr und Zollstock arbeiten Straßenwärter und Forstwirte Hand in Hand. „Forstwirte sind nach wie vor unersetzlich“, betont der Förster. Bei dicken Bäumen oder in schwierigem Gelände kämen die automatischen Harvester an ihre Grenzen. Auch bei der Buche am Straßenrand sind Kai Schneider und Gerd Schwarz, die festen Forstwirte des Reviers Hönebach, gefragt. Sie arbeiten in einer Kolonne mit Forstoberinspektoranwärter Johannes Volkmar und Rückeunternehmer Dieter Möller aus Mündershausen. Wenige hundert Meter entfernt ist an beiden Tagen zusätzlich die Kolonne eines polnischstämmigen Subunternehmers mit einem weiteren Holzrücker am Werk.

Von einer Arbeitsbühne der Straßenmeisterei schlingen die Forstwirte in einigen Metern Höhe das Drahtseil des Rückeschleppers um den Stamm. Damit soll der Baum in die richtige Fallrichtung gezogen werden. Unter keinen Umständen darf er in Richtung Autobahn kippten. Beim Nachbarbaum hat die Polizei sicherheitshalber sogar den Verkehr auf der A 4 gestoppt.

Mit einem dreieckigen Schnitt, dem sogenannten Fallkerb, gibt Kai Schneider die Richtung vor. Dann setzt er seine Motorsäge zum Fällschnitt an. Zielgenau kracht die Buche quer über die Landesstraße in die angepeilte Lücke. Äste splittern, Schnee wirbelt. Nachdem der Stamm zerteilt ist, macht der Rückeschlepper die Fahrbahn frei. Die Straßenwärter fegen noch Späne und Rinde vom Asphalt weg. Während Hessen Forst seine Bäume für den Verkauf aufarbeitet, bleiben die gefällte Alleebäume einige Meter neben der Straße als Totholz für den Naturschutz liegen. Nach zwei Tagen Arbeit soll die Strecke heute wieder befahrbar sein – und der Weg durch den Seulingswald auch in Zukunft sicher.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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