Die historische Dorflinde in Schenklengsfeld erhielt einen neuen Zaun

Schutz für die alte Dame

Frank Dittmar von der Naturschutzbehörde des Landkreises erläutert, wie der neue Zaun die jungen Triebe der Schenklengsfelder

Schenklengsfeld. Wenn sie könnte, hätte sie uns sicher viel zu erzählen, schwärmt Naturschützer Frank Dittmar über die Linde in Schenklengsfeld, die er liebevoll die „Alte Dame“ nennt. Ob der Baum tatsächlich im Jahr 760 gepflanzt wurde, wie auf einem Stein zu lesen, ist ungewiss. Jedenfalls steht die weit ausladende Linde schon seit Jahrhunderten in der historischen Ortsmitte.

Solch alte Naturdenkmäler müssen gepflegt werden, um sie der Nachwelt zu erhalten, erläutert Dittmar. Es besteht zwar keine akute Gefahr, doch um den Baum und sein Erscheinungsbild langfristig zu sichern, muss der Natur stellenweise unter die Arme gegriffen werden. Aus diesem Grund wurde in Schenklengsfeld ein neuer Schutzzaun am Stamm aufgestellt. Genauer betrachtet, handelt es sich nicht um einen, sondern um vier Stämme. Ob der Baum durch einen Blitzeinschlag gespalten wurde, wie es die Legende will, ist weder auszuschließen noch bewiesen.

Gebrechlichkeiten im Alter

Nach gewisser Zeit nimmt das Dickenwachstum bei Pflanzen ab. Zudem werden weiche Hölzer wie etwa Linden von innen durch Mikroorganismen ausgehöhlt. Auch in Schenklengsfeld ist dies zu beobachten. Der Baum ist dadurch nicht bedroht, da er über natürliche Selbstheilungskräfte verfügt. Moderner Naturschutz setzt heute darauf, möglichst wenig in diesen Prozess einzugreifen. Durch den Zaun sollen junge Triebe in Bodennähe geschützt werden, um neue Wurzeln und Stämme bilden zu können. Ziel ist es, dem Baum neue Perspektiven für das Wachstum zu geben. Generationen von Schenklengsfeldern sind in ihrer Kindheit der Alten Dame aufs Dach gestiegen und über ihre Äste geklettert. Dadurch nimmt die Linde keinen ernsthaften Schaden, aber die zarten, frischen Zweige können im Wachstum behindert werden und der Boden wird zusätzlich verdichtet. Hier soll der Zaun Abhilfe schaffen. Zudem werden die Äste der Krone demnächst fachmännisch zurückgeschnitten, um die mechanischen Kräfte, die bei Sturm auf die Stämme einwirken, zu verringern.

Die Naturschutzbehörde ist auf die Mithilfe der Bürger vor Ort angewiesen. Die Schenk- lengsfelder und die Gemeinde sind sehr bemüht um ihre älteste Einwohnerin, so Dittmar. Die Kosten für die Maßnahme in Höhe von 1200 Euro wurden durch den örtlichen Heimatverein aufgebracht. Da die ehemalige Gerichtslinde kulturhistorisch bedeutsam ist, wurden die Vorgaben des Denkmalschutzes ebenfalls berücksichtigt.

Von Arndt Macheledt

Kommentare