Hönebach oder Heringen – eine Frage der Solidarität?

Elternbefragung in Kleinensee: Schulwahl ist Politikum

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Heringen. Die Eltern von kleinen Kindern in Kleinensee könnten künftig in eine moralische Zwickmühle geraten. Das Heringer Stadtparlament hat am Donnerstagabend mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Eltern in dem Ortsteil befragt werden sollen, ob ihre Kinder lieber in Heringen oder in Hönebach zur Grundschule gehen sollen.

Bislang hatte man in Kleinensee die Wahl zwischen beiden Schulstandorten. Getreu dem Motto: Kurze Wege für kurze Beine war für viele Eltern das näher gelegene Hönebach, das zur Gemeinde Wildeck gehört, erste Wahl. Auf Antrag war bislang aber auch der Schulbesuch in Heringen möglich. Doch eben dieser Wunsch soll jetzt Eltern aus Kleinensee vom Schulamt verwehrt worden sein. Bürgermeister Hans Ries mutmaßte in der Sitzung, dass damit die ohnehin schon schwach ausgelastete Schule in Hönebach gestärkt werden solle. Gleichzeitig fürchtet er um den Schulstandort Heringen.

Denn viele Hönebacher Gründschüler gingen danach auf das Gymnasium in Gerstungen, das einen hervorragenden Ruf genießt. Ries sorgt sich deshalb um den Fortbestand der Oberstufe an der Werratal-Schule in Heringen.

„Wenn wir die Oberstufe verlieren, verlieren wir auch die Funktion als Mittelzentrum und damit viel Attraktivität für junge Familie“, orakelte Ries. Deshalb wollte er alle Eltern in Heringen über die Schulwahl abstimmen lassen und dies mit der geplanten Befragung zur Einkaufssituation verbinden.

Ries meint, „die Kleinenseeer müssten aus Solidarität mit der eigenen Kommune ihre Kinder nach Heringen zur Schule schicken“.

„Kinder als Schachfiguren“

Soweit wollte ihm das Parlament aber nicht folgen. „Kinder sollten nicht als Schachfiguren zum Erhalt der örtlichen Schulen dienen“, mahnte Hans-Jürgen Fischer (SPD). Er erinnerte daran, dass die Entscheidungen über Klassengrößen und Schulstandorte von der Landesregierung getroffen werden. Auch Stadtverordentenvorsteher Detlef Scheidt (SPD) warnte davor, ein solches Thema zum Politikum zu machen. Statt dessen solle lieber versucht werden, wieder zur alten Regelung der Schulwahl auf Antrag zurückzukehren.

Eckhard Bock (CDU) wollte die Angelegenheit nicht per Abstimmung an die große Glocke hängen. Peter Stötter (UL) warnte vor Kirchturmdenken, plädierte aber zugleich auch für die Wahlfreiheit der Eltern. Deshalb soll nun zuerst nur unter den unmittelbar betroffenen Eltern in Kleinensee ein Stimmungsbild eingeholt werden. Ihnen wird dabei aber die Mahnung von Bürgermeister Ries in den Ohren klingen: „Entweder die Grundschule in Hönebach oder die Grundschule in Wölfershausen wackeln“, warnte er. (kai)

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