Projektgruppe der Werratalschule besucht die AHG Klinik Wigbertshöhe

Schüler gegen Spielsucht

Die Schüler der Projektgruppe „Alltagsdrogen“ der Werratalschule mit Lehrer Martin Sieber (links) und dem Sozialtherapeuten Siegfried Born (rechts). Foto: nh

HERINGEN. „Glücksspielsüchtige sind auch nur normale Menschen, denen man ihre Krankheit gar nicht anmerkt.“ Das stellte eine Schülerin fest, die im Rahmen der Projekttage der Werratalschule Heringen mit ihrer Gruppe „Alltagsdrogen“ die AHG-Klinik Wigbertshöhe besuchte.

Um den Schülern das Thema näher zu bringen, bietet die Klinik interessierten Schülergruppen die Möglichkeit an, in direkten Kontakt mit spielsüchtigen Menschen zu treten. Diese können aus ihrer eigenen Biografie heraus bewegende Botschaften weitergeben. Im Anschluss an die Gesprächskreise mit den Patienten arbeitete der Sozialtherapeut der Fachklinik Wigbertshöhe, Siegfried Born, die frischen Eindrücke der Schüler behutsam auf.

Auffällig war eine geschlechterspezifische Betroffenheit der Schülerinnen und Schüler: Die Jungen schockierte der schnelle Verfall in die Sucht, die Höhe der Geldverluste sowie die Beschaffungskriminalität. Im Gegensatz dazu konzentrierten sich die Mädchen der Gruppe auf das Familienleben der Patienten. Sie waren sehr betroffen, als sie erfuhren, dass die Spielsucht Familien und Freundeskreise zerstört, da die Patienten emotional vereinsamen und in eine Scheinwelt aus Lug und Trug hinabtauchen.

Obwohl sich zunächst keiner der Jugendlichen vorstellen konnte, selbst einmal spielsüchtig zu werden, wurde im Gespräch doch allmählich klar, dass im heutigen Zeitalter der modernen Medien (Smart-Phones, Internetangebote wie Online-Spiele und soziale Netzwerke) die Gefahr der sozialen Vereinsamung sehr hoch ist. Kommen unbewältigte Konflikte, mangelndes Selbstwertgefühl, Langeweile, Stress oder überzogener Leistungsdruck hinzu, so können oberflächliche Online-Bekanntschaften nicht mehr tragen. Man gleitet unbemerkt in eine Scheinwelt mit Suchtverhalten, aus der man alleine nicht mehr heraus kommt.

Christina Heimerot als Fachberaterin für Spielsucht vom Beratungs- und Behandlungszentrum der Diakonie besuchte die Projektgruppe einen Tag später in der Werratalschule. Sie brachte einen bereits therapierten Glücksspielsüchtigen mit, der sich zurzeit in ihrer Nachsorge befindet. Den Schülern wurde klar, dass auch nach einer Suchttherapie nichts mehr so sein wird, wie es vorher einmal war.

Am Ende der zwei Projekttage zogen alle Schüler das Fazit: „Kein Einstieg in die Spielsucht ist der beste Ausstieg.“ (red/nm)

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