Die Heringerin Jule Heinemann begegnete in ihrem Garten einer Kreuzotter

Schlange kam in den Eimer

Frank Dittmar

Heringen/Bad Hersfeld. „Wir haben uns alle richtig erschrocken – dass es nicht einfach nur eine Blindschleiche ist, war uns sofort klar“, sagt Jule Heinemann. Die junge Mutter aus Heringen erinnert sich gut an ihre Begegnung mit einer Kreuzotter im Garten.

„Es war ein sonniger Tag – die Kinder aus dem Haus hatten zusammen auf der Wiese gespielt“, sagt die 27-Jährige. Als ihr Mann Martin danach die Spielsachen wegräumte, bewegte sich plötzlich eine vermeintlich liegengelassene Gummischlange im Gras. Der 31-Jährige schreckte zurück.

„Als wir danach zusammen wieder hingegangen sind, hatte die Schlange schon den Kopf hochgereckt und schien in Angriffsposition.“ Jule Heinemann ließ die Kreuzotter kurzerhand in einen Eimer hineinrutschen und fotografierte das Tier.

Tipps per Facebook

Per Facebook fragte sie in der Gruppe „Heringen – Gerüchte“ um Rat. Denn was war das für ein Exemplar? „Ich habe großen Respekt vor Schlangen – auch wenn diese ziemlich klein war“, sagt sie. Schnell wurde ihr mitgeteilt, dass sich in ihrem Eimer eine junge Kreuzotter befindet. Die einzige bei uns heimische Giftschlange. Also wohin mit dem Tier? „Da wollten wir vorsichtig sein, schließlich war unsere Tochter noch nicht mal ein Jahr alt“, sagt sie. Ein Nachbar riet, am Waldrand nachzuschauen. Dort gebe es auf einem Schild „Kreuzottergebiet“ eine Telefonnummer. „Aber es war Sonntag und leider war keiner zu erreichen – wir haben die Schlange also unter einem Baum ausgesetzt. Als wir fünf Minuten später nochmal nachgeschaut haben, war sie verschwunden“, berichtet die Heringerin.

„Wenn man in unserem Landkreis Kreuzottern sehen will, dann muss man schon Glück haben“, sagt Frank Dittmar vom Fachbereich Ländlicher Raum – Sachgebiet Naturschutz – beim Landkreis. Die Kreuzotter ist laut der Roten Liste der Amphibien und Reptilien für Hessen vom Aussterben bedroht. Das einzige belegte und als gesichert geltende Vorkommen im Landkreis befindet sich laut Dittmar im Gebiet der Stadt Heringen.

„Die Tiere sind ortstreu und kommen immer wieder – wegbringen bringt eigentlich gar nichts“, weiß Dittmar. Von Ende September bis Anfang April überwintern die Kreuzottern an geschützten Orten. „Jetzt kommen sie so langsam wieder heraus – die Tiere sind darauf angewiesen, ihre Temperatur durch das in der Sonne liegen zu regulieren“, erklärt der Reptilien-Kenner. Wer einer begegnet sollte die Ruhe bewahren und sich entfernen.

Gift lähmt Kleintiere

Das Gift der Kreuzotter sei dafür gedacht, Kleintiere zu lähmen. Menschen mit geschwächter Konstitution, Kinder und Ältere seien gefährdeter, als gesunde Erwachsene. „Wenn man den Verdacht hat, von einer Kreuzotter gebissen worden zu sein, sollte man aber sofort zum Arzt gehen“, rät Dittmar. In hohem Gras, auf nicht gemähten Flächen, sollten Kinder auch nur mit geschlossenen Schuhen spielen. Wer Kreuzottern im Garten hat, sollte sich wegen der Ortstreue der Schlangen individuell von Sachkundigen beraten lassen. HINTERGRUND

Von Peter Gottbehüt

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