Die weißen Berge wachsen: K+S plant Erweiterung – Widdershäuser sind besorgt

Im Schatten der Halde

Hinter den Häusern der Straße „Kirchengarten“ in Widdershausen erhebt sich die Halde Wintershall. K+S plant eine Erweiterung des „Monte Kali“ und stößt damit auf heftigen Widerstand der Anwohner. Foto:Spanel

Widdershausen. Gleich mehrere schlechte Nachrichten mussten die Bewohner des Heringer Stadtteils Widdershausen am Mittwochabend verkraften.

Nicht genug damit, dass Bürgermeister Hans Ries während eines Bürgerinformationsabends über die zu erwartende starke Anhebung des Trinkwasserpreises unterrichtete – vorsichtigen Schätzungen zufolge wird der ab dem Jahr 2022 bei sechs Euro pro Kubikmeter liegen (unsere Zeitung berichtete); zusätzlich informierte das K+S Werk Werra über die geplante Südost-Erweiterung der Halde Wintershall um 24 Hektar im Zeitraum von 2018 bis 2030.

Starke Beeinträchtigung

Von der bestehenden Halde fühlen sich die Widdershäuser bereits seit Jahren stark beeinträchtigt. Neben der Befürchtung, die Sonne könnte in Widdershausen hinter einem erweiterten Salzberg noch früher verschwinden, fühlen sich die Anwohner auch zunehmend von der beängstigend nah an den Ort gerückten Halde bedroht.

„Um den Produktionsstandort zu sichern, gibt es keine Alternative zur Erweiterung“, entgegnete Dr. Silvia Niessing, Leiterin der Abteilung für Umwelt und Genehmigungen im Kaliwerk Werra. „Wir versichern aber, dass Mensch und Natur so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.“ Dazu käme ein umfangreicher Kriterienkatalog zur Anwendung, der unter anderem die Geländemorphologie, Infrastruktur und auch den Baugrund berücksichtige.

Lautstarker Protest

Als Markscheider Andreas Fischer mittels einer 3D-Animation demonstrierte, dass die Dauer des Sonnenscheins in Widdershausen durch einen wachsenden Monte Kali zu bestimmten Jahreszeiten nur sehr kurz beeinträchtigt werde, gab es in der bis auf den letzten Platz besetzten Mehrzweckhalle kein Halten mehr. Ungläubige Zwischenrufe von besorgten Bürgern, die um ihre Lebensqualität fürchteten, unterbrachen die Veranstaltung. „Der Berg wächst und wächst seit Jahren. Wer genehmigt denn sowas?“, fragte Anwohner Detlef Scheidt. Werksleiter Dr. Rainer Gerling versuchte zu beschwichtigen: „Wir beziehen die Bevölkerung in alle unsere Großvorhaben mit ein. Genehmigt werden diese dann von den Stadtparlamenten und kommunalen Behörden.“

Wohl auch hinnehmen müssen die Widdershäuser das Kali-Projekt „Heergraben“, über das Wolfgang Lang informierte. Das bestehende Stapelbecken Heergraben soll umfassend saniert und zu einem Schlammfangbecken umgewandelt werden. Das macht den Bau eines zweiten Beckens nötig, dass sehr nah an den Ortskern heranrücken und umfangreiche Waldrodungen nötig machen würde.

„Ein Ort trägt die Belastungen der Wirtschaft unserer Region“, fasst Bürgermeister Hans Ries zusammen. Bittere Pillen für Widdershausen.

Von Emily Spanel

Kommentare