Heringens Bürgermeister kritisiert politischen Eifer bei Breitbandausbau

Ries: Glasfaser nur Wahlkampf

Glasfaser in Heringen: Bürgermeister Hans Ries (rechts) bei Arbeiten für den Breitbandausbau im Herbst 2011. Archivfoto: Reymond

Heringen. In Nordhessen soll in den kommenden fünf Jahren eine glasfasergebundene Breitbandversorgung aufgebaut werden. Für diesen plötzlichen politischen Eifer in Sachen Glasfasernetz hat Heringens Bürgermeister Hans Ries eine einfache Erklärung: „Es stehen wieder Wahlen an“. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sei in den zurückliegenden Jahren bei der schnellen Internetverbindung immer auf die Funklösung gesetzt worden.

Kein technisches Problem

„Wir in Heringen haben mit dem Glasfasernetz unseren eigenen Weg eingeschlagen und sind weiterhin dabei, obwohl wir uns durch einen Dschungel an juristischen und politischen Hindernissen schlagen mussten“, erklärt Ries.

Technisch sei das Glasfasernetz keine Herausforderung. Wohl aber politisch: „Die eigentliche Sorge der Hessischen Landesregierung und der Bundesregierung gilt bis heute erkennbar nicht der wichtigen Grundversorgung mit entsprechenden Datenmengen im ländlichen Raum, sondern der Absicherung der Gewinne der Telefonkonzerne, die durch kommunales Engagement in Frage gestellt würden“, führt Ries weiter aus.

Auch aus dem Landratsamt habe es nur Widerstand gegen den Heringer Weg gegeben. „Wir wurden gezwungen, die über Jahre entstandenen und teuren juristischen Beratungsergebnisse an den Landkreis abzugeben. Eine Meinung, die wir gleichlautend im hessischen Wirtschaftsministerium, wie auch im Landratsamt gehört haben lautete: Wir sind nicht dazu da, um Lösungen zu finden, wir werden nur sagen, wie es aus unserer Sicht nicht geht. Mit anderen Worten, wir werden euch bei jeder passenden Gelegenheit einen Stock in die Speichen schieben“.

Durch die Verzögerung bei der schnellen Breitbandversorgung durch Glasfaser, habe die Politik den ländlichen Raum abgekoppelt: „Wie viele wirtschaftliche Chancen wurden dabei wohl zugunsten der Ballungsgebiete von diesen Politikern ganz bewusst oder aus Mangel an Weitsicht zunichte gemacht?“, fragt Ries. Jetzt, da wieder Wahlen vor der Tür stünden, sei es also doch möglich, den ländlichen Raum per Glasfaser zu erschließen, merkt der streitbare Bürgermeister an. (red/rey)

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